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Waffenstillstand in Gaza: Palästinensische Gefangene im Zentrum des Kampfes und Widerstands

Am Sonntag, dem 7. August, kündigte Ziad Nakhaleh, palästinensischer Widerstandsführer und Generalsekretär der Palästinensischen Islamischen Jihad-Bewegung, einen Waffenstillstand für die Aggression der israelischen Besatzung gegen Gaza und die Antwort des palästinensischen Widerstands an. Diese Erklärung machte deutlich, dass die palästinensischen Gefangenen im Mittelpunkt des Kampfes und des palästinensischen Widerstands stehen und dass die Einheit des palästinensischen Volkes in allen geografischen Bereichen niemals durch 75 Jahre Kolonisierung untergraben oder gestört werden kann.

Nakhaleh betonte insbesondere, dass der Widerstand seine Bedingungen gestellt habe, insbesondere zum Schutz der palästinensischen Gefangenen, nämlich:

  • Die Freilassung von Khalil Awawdeh in ein Krankenhaus, der sich am 8. August seit über 150 Tagen im Hungerstreik befindet.
  • Die Freilassung von Scheich Bassam al-Saadi, einem prominenten palästinensischen Führer der Bewegung Islamischer Dschihad, mit einer Garantie von Seiten Ägyptens.
  • Keinen Erlass von Bedingungen für den Widerstand.

Nakhaleh betonte, dass der Widerstand nicht zögern werde, mit allen Mitteln in den Kampf zu ziehen, um die inhaftierten palästinensischen Kämpfer zu befreien, sollte die Besatzung gegen diese Bedingungen verstoßen. Der palästinensische Widerstand, der zu den Waffen greift, auf die Straße geht und sich in jeder Form erhebt, verteidigt und schützt das palästinensische Leben vor den Massakern der Besatzungs-Kampfflugzeuge und den gewaltsamen Razzien, der Massenverhaftungen und politischen Inhaftierungen.

Das Samidoun Netzwerk zur Verteidigung palästinensischen Gefangenen würdigt die Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes und den Mut und die Hingabe des palästinensischen Widerstands, der sich unter großen Opfern und mit großem Einsatz gegen die Politik der Verhaftungen und Ermordungen im gesamten besetzten Palästina wehrt. Wir betonen, dass dies nicht der Zeitpunkt ist, unsere Volksmobilisierung und unseren Druck zu beenden, sondern vielmehr fortzusetzen und zu eskalieren. Wir müssen dem zionistischen Besatzungsregime klarmachen, dass der Widerstand nicht allein ist und dass die Völker der Welt die Umsetzung der Errungenschaften des Widerstands, die Befreiung der palästinensischen Gefangenen, fordern.

Dem zionistischen Besatzungsregime und dem ägyptischen Staat – der seit über 15 Jahren an der Blockade des Gazastreifens beteiligt ist und die Besatzung normalisiert – ist nicht zu trauen, und wir müssen uns weiterhin mit aller Wachsamkeit für die Befreiung von Awawdeh und al-Saadi und den Errungenschaften des palästinensischen Widerstands, die durch selbstlosen Kampf und große Opfer errungen wurden, einsetzen.

Die von den kolonialistischen Kräften verübten Massaker – Teil der seit 75 Jahren andauernden Nakba, die weiterhin gegen die undurchdringliche Mauer des Widerstands und des Kampf-, Überlebens- und Siegeswillens des palästinensischen Volkes stößt – haben 44 Märtyrer das Leben gekostet, darunter 15 Kinder und zwei prominente und hoch angesehene Führer der palästinensischen Bewegung Islamischer Jihad, Tayseer al-Jabari und Khaled Mansour. Die Zahl der Verletzten erreichte 360, während zivile Einrichtungen im gesamten belagerten Gazastreifen durch die von den USA finanzierten Bomben und Kampfflugzeuge der Besatzer zerstört wurden.

Diese Verbrechen wurden durchweg von den Vereinigten Staaten, Kanada, den Ländern der Europäischen Union, Großbritannien und anderen imperialistischen Mächten unterstützt, die das nicht existierende Recht des Kolonisators, sich gegen ein kolonisiertes Volk zu „verteidigen“, das sich gegen Masseninhaftierungen, gezielte Ermordungen und wahllose Massaker wehrt, bekräftigten. Die reaktionären arabischen Regime, die das Siedler-Kolonalregime normalisieren, setzten ihre Zusammenarbeit mit dem Besatzer fort, obwohl die arabischen Völker in der gesamten Region deutlich machten, dass Palästina für alle Menschen in der Region der Kompass um Gerechtigkeit und Befreiung zu erreichen ist und bleibt. Die Palästinensische Autonomiebehörde setzte die „Sicherheitskoordination“ fort und inhaftierte politische Gefangene wegen ihrer Rolle im Widerstand gegen die Besatzung, obwohl sie in Presseerklärungen die israelischen Verbrechen kritisierte.

Gleichzeitig stellten sich der libanesische Widerstand und alle Kräfte des Widerstands und der Befreiung in der Region sowie der Welt klar an die Seite des palästinensischen Volkes und seines Kampfes für Gerechtigkeit, Rückkehr und Befreiung und lehnten die zionistischen Verbrechen gegen den Gaza-Streifen entschieden ab.

Wie schon in der Schlacht von Seif al-Quds/der Einheits-Intifada machte der palästinensische Widerstand einmal mehr deutlich, dass das palästinensische Volk überall im besetzten Palästina vom Fluss bis zum Meer sowie im Exil und in der Diaspora ein Volk mit einem gemeinsamen Widerstand ist, das sich einem gemeinsamen feindlichen Lager gegenüberstellt, und dass der palästinensische Widerstand in Gaza bereit ist, mit allen Mitteln zu kämpfen, auch mit einem groß erbrachten Preis, die palästinensischen Gefangenen zu verteidigen, die jeden Tag hinter zionistischen Gittern für ihre Befreiung kämpfen.

Menschen auf der ganzen Welt, darunter palästinensische und arabische Gemeinschaften sowie demokratische und revolutionäre Kräfte überall, sind vom ersten Moment dieses Kampfes an auf die Straße gegangen.

Das Samidoun Netzwerk zur Verteidigung palästinensischen Gefangenen unterstreicht die Notwendigkeit, auf den Errungenschaften und Opfern des palästinensischen Volkes und seinem unerschütterlichen Widerstand aufzubauen und bekräftigt, dass die palästinensischen Gefangenen im Zentrum des Befreiungskampfes stehen. Wir dürfen in unseren Bemühungen nicht nachlassen, sondern müssen unsere Organisierungsarbeit und unsere Aktionen zur Befreiung von Khalil Awawdeh, Bassam al-Saadi und all den 4.700 palästinensischen Widerstandsführern und Freiheitskämpfern, die hinter zionistischen Gittern eingesperrt sind, verstärken. Da sie es sind, die weiterhin den Weg zur Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer weisen.

ERGREIFT WEITERHIN MASSNAHMEN FÜR PALÄSTINA:

  1. Mobilisiert Aktionen, Demonstrationen und kreative Interventionen– Geht auf die Straßen, um das palästinensische Volk und seinen Widerstand zu verteidigen! Wie während der Einheits-Intifada/Seif al-Quds im Mai 2021 deutlich wurde, gibt es überall auf der Welt, auch innerhalb der imperialistischen Mächte, eine breite Unterstützung für das palästinensische Volk. Es liegt in unserer Verantwortung, zu handeln und es unmöglich zu machen, dass die Verbrechen gegen das palästinensische Volk weiterhin unterstützen werden.
  2. Baut den Boykott der zionistischen Besatzung aus– Dies ist ein entscheidender Moment, um die Kampagne zur Isolierung des israelischen Regimes auf allen Ebenen zu verstärken, auch durch Boykottkampagnen, die sich gegen die wirtschaftliche Ausbeutung des palästinensischen Landes, der Bevölkerung und der Ressourcen durch die Besatzung richten, sowie gegen jene internationalen Konzerne wie HP und G4S, die von der anhaltenden Kolonisierung Palästinas profitieren.
  3. Unterstützt die Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes– Diese Aggression war eine Ausweitung der Belagerung des Gazastreifens, die dem widerständigen und standhaften Streifen seit über 15 Jahren auferlegt wurde. Das palästinensische Volk braucht wirtschaftliche, politische und alle Formen der Unterstützung, um seine Standhaftigkeit aufrechtzuerhalten. Um euch an der Samidoun-Aktion zur Unterstützung der Gesundheitsversorgung von Kindern in Gaza zu beteiligen, könnt ihr unter folgender Adresse eine Spende tätigen: https://samidoun.net/gaza

Angriff auf Gaza: Steht zu Palästina, dem palästinensischen Volk und seinem Widerstand!

Die zionistische Besatzungstruppen haben erneut eine militärische Aggression gegen das palästinensische Volk im Gaza-Streifen gestartet. Diese Aggression hat bereits neun Märtyrern der palästinensischen Sache das Leben genommen – darunter ein fünfjähriges Mädchen und ein Anführer der palästinensischen Widerstandsbewegung Islamischer Jihad, Tayseer al-Jabari – und 55 Verletzte zur Folge gehabt. Samidoun Netzwerk zur Verteidigung der palästinensischen Gefangenen ruft alle Unterstützer der palästinensischen Sache dazu auf, Maßnahmen zur Verteidigung Palästinas, des palästinensischen Volkes und seines Widerstands gegen den zionistischen Angriff zu ergreifen.

Dieser Angriff auf den Gazastreifen geht Hand in Hand mit einer Reihe von Verhaftungen und Ermordungen von Palästinensern im gesamten besetzten Palästina und insbesondere mit der Verhaftung des Führers der palästinensischen Bewegung Islamischer Jihad, Bassam al-Saadi, in Jenin, bei der die Besatzungskräfte den 17-jährigen Dirar al-Kafrini ermordeten. Al-Saadi wurde bei dem Angriff geschlagen und ins Krankenhaus gebracht, bevor die Besatzungstruppen Fotos von seinem verletzten Gesicht veröffentlichten.

In den letzten Tagen haben Politiker der Besatzung, Analysten und zionistische Medien mit Spekulationen um sich geworfen, besonders da in den Siedlungen um den Gazastreifen eine Ausgangssperre verhängt wurde, dass die Reaktion des palästinensischen Widerstands die Fähigkeit des zionistischen Feinds untergraben könnte, palästinensische Führer ohne Konsequenzen festzunehmen und anzugreifen. In Anbetracht der bevorstehenden Wahlen der Besatzung und des innenpolitischen Chaos unter den zionistischen Kräften bietet ein Angriff auf den Gazastreifen dem derzeitigen Ministerpräsidenten Yair Lapid und dem Kriegsminister Benny Gantz die Möglichkeit, mit Aggressionen gegen das palästinensische Volk um für Stimmen zu werben.

Die zionistische Besatzung nennt diese Aggression einen Angriff auf die palästinensische Bewegung Islamischer Jihad, aber in Wirklichkeit ist es ein Angriff auf das gesamte palästinensische Volk – in Gaza, dem besetzten Palästina vom Fluss bis zum Meer – und seinen umfassenden Widerstand in allen Formen. Das palästinensische Volk in Gaza besteht zu über 70 % aus Flüchtlingen, denen seit 75 Jahren das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat verweigert wird. Das palästinensische Volk und sein Widerstand sind sich einig im Kampf gegen diesen Angriff und für die Befreiung.

Samidoun Netzwerk fordert alle Freunde und Unterstützer Palästinas auf, sich mit dem belagerten Gazastreifen, dem palästinensischen Volk und seinem Widerstand im gesamten besetzten Palästina sowie im Exil und in der Diaspora zu solidarisieren. In der Erklärung von Masar Badil heißt es: „Wir rufen alle dazu auf, sofort mit der Organisation von Massen-, politischen und Medienveranstaltungen an allen Orten in der Diaspora und auf der ganzen Welt zu beginnen, um unser standhaftes palästinensisches Volk gegen die zionistische Aggression und die ständige Verschärfung der Belagerung des Gazastreifens zu verteidigen.“

Es ist klar, dass die Vereinigten Staaten, Kanada, die Länder der Europäischen Union, Großbritannien und andere imperialistische Mächte die volle Verantwortung für die Verbrechen der zionistischen Besatzung tragen, indem sie die Waffen zur Verfügung stellen, mit denen diese Tötungen begangen werden, und die seit 75 Jahren andauernde Nakba gegen das palästinensische Volk ermöglichen, indem sie diese militärisch, politisch, wirtschaftlich und diplomatisch unterstützen. Anstatt die Legitimität des palästinensischen Widerstands anzuerkennen, nehmen die imperialistischen Mächte die Widerstandsorganisationen ins Visier, indem sie sie als „terroristische Organisationen“ bezeichnen und unterdrücken. Umso dringlicher ist es für unsere Bewegungen, kollektiv zu erklären: Widerstand ist kein Terror! Während wir auf die Straße gehen und mobilisieren, um uns an die Seite des palästinensischen Volkes und seines Widerstands zu stellen, fordern wir alle auf, die folgenden Aktionen durchzuführen:

1. Mobilisiert Aktionen, Demonstrationen und kreative Interventionen – Geht auf die Straße, um das palästinensische Volk und seinen Widerstand zu verteidigen! Wie während der Einheitsintifada/Seif al-Quds im Mai 2021 deutlich wurde, gibt es überall auf der Welt, auch innerhalb der imperialistischen Mächte, eine breite Unterstützung für das palästinensische Volk. Es liegt in unserer Verantwortung, zu agieren und es ihnen unmöglich zu machen, dass sie die Verbrechen gegen das palästinensische Volk weiterhin unterstützen.

2. Baut die Boykott Kampagne gegen „Israel“ aus – Dies ist ein entscheidender Moment, um die Kampagne zur Isolierung des zionistischen Regimes auf allen Ebenen zu verstärken, auch durch Boykottkampagnen, die sich gegen die wirtschaftliche Ausbeutung des palästinensischen Landes, der Bevölkerung und der Ressourcen durch die Besatzung richten, sowie gegen jene internationalen Unternehmen wie HP und G4S, die von der anhaltenden Kolonialisierung Palästinas profitieren.

3. Unterstützt die Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes – Diese Aggression ist eine Ausweitung der Belagerung des Gazastreifens, die dem widerständigen und standhaften Streifen seit über 15 Jahren auferlegt wurde. In dieser Zeit ist es wichtig, die Bevölkerung wirtschaftlich und praktisch zu unterstützen, um die Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes im Kampf gegen diese Verbrechen zu stärken. Um die Aktion von Samidoun zur Förderung der Gesundheitsfürsorge für Kinder in Gaza zu unterstützen, könnt iht unter https://samidoun.net/gaza spenden.

Auf dem Weg zur Freiheit: Der palästinensische Gefangene Raed Rayan beendet seinen Hungerstreik nach 113 Tagen mit einer Vereinbarung zu seiner Freilassung

Nach 113 Tagen des Kampfes und der Aufopferung für seine Freiheit hat der palästinensische Gefangene Raed Rayan, der ohne Anklage oder Gerichtsverfahren unter „israelischer“ Administrativhaft inhaftiert ist, seinen Hungerstreik mit einer Vereinbarung über seine Freilassung ausgesetzt. Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network gratuliert Rayan und seinen Mitgefangenen zu ihrer unermüdlichen Entschlossenheit, ihren Körper und ihr Leben für den Kampf gegen die zionistische Besatzung einzusetzen, der sie täglich an vorderster Front hinter Gittern führen.

Die Palestinian Prisoners‘ Society begrüßt den Willen und die Entschlossenheit Rayans, dem Verbrechen der Administrativhaft auf allen Ebenen mit wahrer Standhaftigkeit zu begegnen. Berichten zufolge wird Raed Rayan im November 2022 freigelassen, wenn die letzte Verlängerung der gegen ihn verhängten Administrativhaft ausläuft.

Raed Rayan, 27, aus Beit Duqqu nordwestlich von besetztem Jerusalem, befindet sich seit April 2022, als seine Administrativhaft zuletzt verlängert wurde, im Hungerstreik. Seit dem 3. November 2021 befindet er sich ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft. Er war nur wenige Monate zuvor, im April 2021, aus seiner letzten Haft ohne Anklage oder Gerichtsverfahren entlassen worden. Während seines Hungerstreiks war er schwerwiegenden Bedrohungen seines Lebens und seiner Gesundheit ausgesetzt und wurde in der berüchtigten Gefängnisklinik „Al Ramle“ festgehalten, da ihm und seinem ebenfalls hungerstreikenden Mitgefangenen Khalil Awawdeh der Zugang zu zivilen Krankenhäusern weitgehend verwehrt wurde, obwohl ihr Leben täglich in größerer Gefahr war.

In der vergangenen Woche haben Dutzende von palästinensischen Gefangenen aus verschiedenen Organisationen, darunter der Islamische Dschihad und die Volksfront zur Befreiung Palästinas, kollektive Solidarität mit Rayan und Awawdeh bekundet und betont, dass dieser Kampf nicht nur der eines Einzelnen ist, sondern ein kollektiver Kampf aller Gefangenen und des palästinensischen Volkes insgesamt, wobei die Gefangenenbewegung an vorderster Front für die Rechte und die Befreiung Palästinas eintritt. Der Kampf von Raed Rayan und Khalil Awawdeh fand weltweit Widerhall in Demonstrationen und Mobilisierungen, die ihre sofortige Freilassung und ein Ende der Administrativhaft forderten.

Wir gratulieren Raed Rayan, seinen Kameraden, seinen Angehörigen und dem palästinensischen Volk zu seiner Entschlossenheit, seiner Standhaftigkeit und seinem Einsatz für den Sieg. Gleichzeitig müssen wir betonen, dass es wichtig ist, den Druck aufrechtzuerhalten und Raed Rayan und seine Mitgefangenen aufmerksam zu beobachten. Das Besatzungsregime hat wiederholt und systematisch gegen Freilassungsvereinbarungen mit Hungerstreikenden verstoßen, zuletzt gegen die von Khalil Awawdeh, und verschiedene Ausreden benutzt, um die in monatelangem, schmerzhaftem und doch standhaftem Kampf erzielten Vereinbarungen zu untergraben. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich dies wiederholt, und wir freuen uns darauf, die Freilassung von Raed Rayan zusammen mit all denen zu feiern, die Gerechtigkeit und Befreiung suchen.

Der palästinensische Mitgefangene Khalil Awawdeh setzt seinen Streik bereits den 148. Tag fort und befindet sich derzeit in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Wie die Muhja al-Quds-Stiftung mitteilte, wurde er gestern, am 27. Juli, in das Assaf-Harofeh-Krankenhaus verlegt und anschließend in die Gefängnisklinik in Ramle zurückgebracht, nachdem er sich geweigert hatte, eine Behandlung oder Nahrungsergänzungsmittel zu erhalten. Sie warnten, dass laut dem Bericht der untersuchenden Ärzte jederzeit die Gefahr bestehe, dass er stirbt, und betonten die alleinige Verantwortung der Besatzungsmacht für das Leben, die Gesundheit und die Sicherheit von Khalil Awawdeh.

Der 40-jährige Awawdeh hatte sich ursprünglich 111 Tage lang im Hungerstreik befunden, als er seinen Streik unterbrach. Obwohl sein Haftbefehl einige Tage später ablief, wurde er nicht freigelassen, sondern verlängert, und er nahm seinen Streik am 2. Juli wieder auf. Während dieser ganzen Zeit wurde ihm der Kontakt zu seiner Familie und häufig auch zu seinem Anwalt verweigert.

Die Administrativhaft wurde in Palästina erstmals von der britischen Kolonialmacht eingesetzt und dann vom zionistischen Regime übernommen; sie wird nun routinemäßig gegen Palästinenser eingesetzt, insbesondere gegen führende Kräfte der palästinensischen Gemeinschaft, Aktivisten und einflussreiche Personen in ihren Städten, Flüchtlingslagern und Dörfern.

Von den 4.700 palästinensischen politischen Gefangenen befinden sich derzeit etwa 682 Palästinenser ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft. Diese Anordnungen werden vom Militär ausgestellt und von Militärgerichten auf der Grundlage „geheimer Unterlagen“ genehmigt, die sowohl den palästinensischen Gefangenen als auch ihren Anwälten vorenthalten werden. Sie werden jeweils für bis zu sechs Monate ausgestellt und können auf unbestimmte Zeit verlängert werden, und Palästinenser – einschließlich minderjähriger Kinder – können jahrelang ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft gehalten werden.

Samidoun Netzwerk gratuliert Raed Rayan und dem palästinensischen Volk und der gesamten Befreiungsbewegung zu den Erfolgen ihrer großen Standhaftigkeit und ihres Einsatzes im Kampf unter schwierigsten Bedingungen.

Die Gefängnisbehörden der Besatzungsmacht eskalieren ihre Angriffe auf palästinensische Gefangene und ihre Bewegungen, angefangen beim Verhör von Ahed Abu Ghoulmeh bis zur Isolierung der Helden des Freiheitstunnels, die sich aus dem Gilboa-Gefängnis befreit haben, über die Verlegung des Anwalts Salah Hamouri in Isolationshaft als Rache für seine öffentlichen Forderungen nach Maßnahmen an die französische Regierung bis hin zur Isolierung von Shadi Maali als Versuch, seinen Sohn zu zwingen, sich zu stellen.

Wir fordern alle Unterstützer Palästinas auf, ihre Solidaritätsaktionen fortzusetzen und zu verstärken, um Khalil Awawdeh und alle palästinensischen Gefangenen zu befreien – und für die Befreiung Palästinas, vom Fluss bis zum Meer!

Freiheit für Khalil Awawdeh und Raed Rayan: 115 Gefangene schließen sich dem gemeinsamen Streik für die Freilassung von Langzeit-Hungerstreikenden an

Die palästinensischen Gefangenen Khalil Awawdeh und Raed Rayan setzen ihren Langzeit-Hungerstreik fort, auch wenn Awawdehs Administrativhaft am 20. Juli nach 142 Tagen Hungerstreik verlängert wurde. Rayan befindet sich bereits seit 107 Tagen im Hungerstreik. Beide fordern ihre Freilassung aus der Administrativhaft – der zionistischen Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess. Mehr als 115 palästinensische Gefangene haben sich ihnen angeschlossen und kämpfen gemeinsam für die Beendigung ihrer Inhaftierung.

Am Donnerstagabend, den 21. Juli, traten 40 Gefangene der palästinensischen Bewegung Islamischer Dschihad im Gefängnis von Ofer in einen unbefristeten Hungerstreik, um sich mit Awawdeh zu solidarisieren, nachdem bekannt geworden war, dass seine Administrativhaft trotz seines schweren Gesundheitszustands bis zum 2. Oktober 2022 verlängert worden war.

Darüber hinaus kündigte die Gefängnisorganisation der Volksfront für die Befreiung Palästinas an, dass 75 Gefangene der Front am Sonntag in einen Solidaritätshungerstreik treten und sich dem kollektiven Kampf in allen Gefängnissen zur Unterstützung von Raed Rayan und Khalil Awawdeh anschließen würden. In der Erklärung, in der der Streik angekündigt wurde, wiesen die PFLP-Gefangenen auch auf die Fälle von Ahed Abu Ghoulmeh hin, der in den letzten Tagen plötzlich aus seinem Zimmer geholt wurde, um von den Besatzungstruppen verhört zu werden, und von Shadi Maali, der ebenfalls ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft sitzt. Er wird seit drei Monaten in Isolationshaft gehalten wird, um aus ihm Informationen über seinen 19-jährigen Sohn Jad herauszubekommen oder Jad so zu erpressen und zu zwingen, sich den Besatzungstruppen zu stellen.

Khalil Awawdeh, 40, aus Ithna, in der Nähe von al-Khalil, ist Vater von vier Töchtern. Sein Gesundheitszustand hat sich stark verschlechtert. Er wurde während seines langen Hungerstreiks wiederholt zwischen der notorisch nachlässigen Gefängnisklinik in Ramle und verschiedenen zivilen Krankenhäusern hin- und hergeschickt. Am 111. Tag seines Hungerstreiks unterbrach er kurzzeitig seinen Streik, da ihm mitgeteilt worden war, dass die Besatzungsbehörden seiner Freilassung zugestimmt hätten. Stattdessen wurde ihm zwei Tage später mitgeteilt, dass die Administrativhaft wieder in Kraft gesetzt worden war, was ihn dazu veranlasste, den Streik fortzusetzen. Während dieser ganzen Zeit wurde ihm der Kontakt zu seiner Familie und häufig auch zu seinem Anwalt verweigert.

Awawdeh wollte ursprünglich im Ausland Medizin studieren, schrieb sich aber in al-Khalil an der Palästinensischen Polytechnischen Universität für ein Ingenieurstudium ein, bevor sein Studium 2002 unterbrochen wurde. Er wurde von der zionistischen Besatzung fünf Jahre lang inhaftiert und 2007 freigelassen. Im selben Jahr wurde er erneut verhaftet und fast drei Jahre lang ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft gehalten. Seitdem ist er wiederholt inhaftiert worden. Er begann ein Wirtschaftsstudium an der Al-Quds Open University, das am 27. Dezember 2021 erneut unterbrochen wurde, als er wieder ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft genommen wurde.

Er ist stark abgemagert, muss im Rollstuhl sitzen, erbricht Wasser, wenn er es zu sich nimmt, kann kaum sprechen und hat starke Schmerzen im ganzen Körper. Dennoch hat er den Kampf fortgesetzt, auch wenn die falschen Behauptungen der Besatzer dazu geführt haben, dass das Interesse und die Aufmerksamkeit für seinen Fall nachgelassen haben.

Raed Rayan, 27, aus Beit Duqqu nordwestlich des besetzten Jerusalem, befindet sich seit 107 Tagen im Hungerstreik. Er befindet sich seit dem 3. November 2021 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft. Aus seiner letzten Inhaftierung ohne Anklage oder Gerichtsverfahren war er erst ein paar Monate davor, im April 2021, entlassen worden. Er begann seinen Hungerstreik, nachdem seine Haft im April 2022 um weitere vier Monate verlängert worden war. Er muss sich in einem Rollstuhl fortbewegen und leidet während seines ausgedehnten Hungerstreiks unter starken Kopf-, Magen- und Augenschmerzen.

Was ist Administrativhaft?

Die Administrativhaft wurde in Palästina erstmals von den britischen Kolonialherren eingesetzt und dann vom zionistischen Regime übernommen. Heute wird sie routinemäßig gegen Palästinenser eingesetzt, insbesondere gegen führende Persönlichkeiten, Aktivisten und einflussreiche Personen in ihren Städten, Lagern und Dörfern.

Von den 4.700 palästinensischen politischen Gefangenen befinden sich derzeit etwa 682 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft. Diese Haftbefehle werden vom Militär ausgestellt und von Militärgerichten auf der Grundlage von „geheimen Beweisen“ genehmigt, die sowohl den palästinensischen Gefangenen als auch ihren Anwälten vorenthalten werden. Sie werden jeweils für bis zu sechs Monate ausgestellt und können auf unbestimmte Zeit verlängert werden, so dass Palästinenser – einschließlich minderjähriger Kinder – jahrelang ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft gehalten werden können.

Die Verwaltungshäftlinge haben seit dem 1. Januar 2022 einen kollektiven Boykott der Militärgerichte durchgeführt und planen derzeit inmitten der wachsenden Bewegung für die Freiheit von Awawdeh und Rayan ihre nächsten Schritte des Kampfes gemeinsam zu organisieren.

Das Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network ruft alle Unterstützer Palästinas dazu auf, Khalil Awawdeh und Raed Rayan zu unterstützen, die sich den zionistischen Besatzungsmächten unter Einsatz ihres Körpers und ihres Lebens entgegenstellen, sowie alle palästinensischen Gefangenen, die für ihre Freiheit, für ihr eigenes Leben und für das palästinensische Volk kämpfen. Awawdehs und Rayans Mitgefangene stehen Hand in Hand mit ihnen im Kampf und stellen sich dem System der zionistischen Unterdrückung an vorderster Front, mit ihrem Körper und ihrem Leben, um das System der Administrativhaft zu beenden.

Nimmt an den folgenden Aktionen teil, um sich mit den Hungerstreikenden und dem Kampf für die Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer zu solidarisieren!

Aktiv werden:

Beteiligt euch an der Social-Media-Kampagne!

Es gibt eine wachsende Social-Media-Kampagne zu #FreeRaed und #FreeKhalil. Verwendet diese Hashtags und postet auf Twitter, Facebook und Instagram. Postet in allen Sprachen! Werdet aktiv und beteiligt euch an der Empörung in den sozialen Medien, um die Isolation zu durchbrechen, die Raed und Khalil durch die zionistische Besatzung auferlegt wurde! Folgt den Instagram-Konten der Kampagnen für Free Khalil und Free Raed.

Protestiert in eurer Stadt oder eurem Land!

Schließt euch den vielen Protesten in der ganzen Welt an – konfrontiert und isoliert die israelische Botschaft oder das Konsulat in eurer Stadt oder dem Land, in dem ihr lebt. Oder geht in die Nachbarschaft, auf den Campus oder vor ein Regierungsgebäude in eurer Gegend auf die Straße. Macht deutlich, dass die Menschen auf der Seite Palästinas stehen! Schickt uns eure Veranstaltungen an samidoun@samidoun.net. Es wurden bereits Demonstrationen in Montreal, London, Manchester, Paris, Toulouse, Berlin und anderswo organisiert.

Boykottiert die zionistische Besatzung!

Die internationale, arabische und palästinensische Kampagne zum Boykott Israels kann in dieser kritischen Zeit eine wichtige Rolle spielen. Lokale Boykottgruppen können protestieren und israelische Produkte und Lebensmittel kennzeichnen, während viele mitschuldige Unternehmen – darunter HP, G4S, Puma, Teva und andere – von ihrer Rolle bei der Unterstützung des zionistischen Kolonialismus im besetzten Palästina profitieren. Indem ihr euch am Boykott Israels beteiligt, könnt ihr direkt dazu beitragen, der Wirtschaft des Siedlerkolonialismus einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Verwendet diese Plakate und Schilder:

Verbreitet das Bewusstsein, indem ihr diese Schilder und Plakate in eurer Gemeinde aufhängt oder bei euren Demonstrationen tragt:

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Die Biden-Lapid-„Jerusalem-Erklärung“: Strategische Partnerschaft von Imperialismus, Zionismus und Siedlerkolonialismus

Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte aufgeführt, die das Samidoun Solidaritätsnetzwerk für Palästinensische Gefangene als Reaktion auf die am Donnerstag, den 14. Juli 2022, abgegebene Biden-Lapid-Erklärung („Gemeinsame Erklärung zur strategischen Partnerschaft zwischen den USA und Israel“) identifiziert hat. Während die Erklärung im Wesentlichen nichts Neues enthält, offenbart sie einmal mehr das gemeinsame Engagement für den Imperialismus und Zionismus, der für die vergangenen 75 Jahre der Kolonisierung in Palästina verantwortlich ist.

„Imperialismus bedeutet hier mehr Waffen, mehr Unterstützung und mehr Geld für Israel. Er bedeutet Phantom-Jets, Atombombengeheimnisse und den Aufbau einer Wirtschaft, die in der Lage ist, der permanenten Blockade und dem Kriegszustand zu widerstehen, den wir zu verhängen versuchen. Hier werden Millionen und Abermillionen … amerikanischer Dollars in eine konkrete Kraft umgewandelt, die die israelische Stärke erhöht und daher in unseren Berechnungen für den Kampf berücksichtigt werden sollte.

Unser Feind ist also nicht Israel allein. Es ist Israel, der Zionismus, der Imperialismus, und ohne eine klare wissenschaftliche Kenntnis unseres Feindes können wir nicht hoffen, über ihn zu triumphieren. Die Meinung, die versucht, die palästinensische Frage auf internationaler Ebene zu „neutralisieren“, indem sie behauptet: „Warum sollten wir nicht versuchen, Amerika im Kampf auf unsere Seite zu ziehen, anstatt es auf der Seite Israels zu lassen?“ ist eine falsche und gefährliche Meinung, weil sie unwissenschaftlich, unrealistisch und weit davon entfernt ist, genau zu sein. Sie ist gefährlich, weil sie die Wahrheit über den Feind, der uns gegenübersteht, verschleiert und zu falschen Berechnungen während des Kampfes führt.“

– Strategie für die Befreiung Palästinas, 1969

Allein die Unterzeichnung des Dokuments im besetzten Jerusalem unterstreicht die imperialistische und siedlungskolonialistische Grundlage dieser strategischen Partnerschaft.

Das Dokument spricht von „gemeinsamen Werten und gemeinsamen Interessen“. Dies sind die gemeinsamen Werte der herrschenden Klasse der USA, die gemeinsamen Werte des Kolonialismus, der Herrschaft und der Ausbeutung des Landes, des Reichtums, der Ressourcen und der Menschen in der Welt zum Nutzen einiger weniger. Dies sind keine gemeinsamen Werte oder Interessen, die uns repräsentieren oder die wir versuchen sollten zu verteidigen – sie repräsentieren die „gemeinsamen Werte“ des Imperialismus, des Siedlerkolonialismus und der Unterdrückung.

Biden und Lapid behaupten außerdem, dass sie sich für „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ einsetzen. Stattdessen entziehen sich die USA und die zionistische Besatzung jeglicher rechtlichen Rechenschaftspflicht, verteufeln Boykottkampagnen und bezeichnen Versuche, vor den Vereinten Nationen und dem Internationalen Strafgerichtshof Rechenschaft abzulegen, als „Ausgrenzung“. Es kann keine Demokratie geben, die auf Siedlerkolonialismus und ständiger Besatzung beruht, und auch nicht auf der Grundlage des Zionismus, einer rassistischen Ideologie.

Während die Erklärung die Zusammenarbeit mit dem zionistischen Regime für „unantastbar“ und „überparteilich“ erklärt, lehnt eine wachsende Zahl von Menschen in den Vereinigten Staaten diesen Rahmen vollständig ab und lehnt somit die fortgesetzte Finanzierung und Kolonisierung Palästinas mit US-Waffen und Dollars ab. Die wiederholte Behauptung dieser Worte wird nichts an der Tatsache ändern, dass die Menschen sich zunehmend der Realität in Palästina und der gefährlichen Rolle der USA in der Region bewusst werden.

Zusätzliche US-Dollars, die von den Steuerzahlern der Arbeiterklasse finanziert werden, um immer mehr Waffen an die zionistische Besatzung zu liefern, werden ein bröckelndes koloniales Projekt nicht stützen. Die Menschen wollen Geld für Arbeitsplätze, Bildung, Gesundheitsfürsorge und Grundbedürfnisse, nicht um ein koloniales Gebilde im besetzten Palästina zu stützen.

Die Erklärung fängt dort an, wo diese strategische Partnerschaft immer ihr Fundament gefunden hat – nicht in hochtrabenden Phrasen über „Demokratie“ und „gemeinsame Werte“, sondern in der „Aufrechterhaltung … ihres qualitativen militärischen Vorsprungs“.

Mit den Worten „Verteidigung“ ausgedrückt, ist dieser militärische Vorsprung heute und schon immer sehr aggressiv und nicht defensiv gewesen. Die zionistische Besatzung bombardiert weiterhin regelmäßig Syrien, bedroht den Libanon mit Krieg, bombardiert den Gazastreifen, bedroht den Iran und ermordet iranische Wissenschaftler. Dies ähnelt der US-Strategie der aggressiven imperialen Invasion unter dem Deckmantel der „Verteidigung“, wie wir sie von Vietnam, Grenada und Panama bis zum Irak, Afghanistan, Libyen und darüber hinaus erlebt haben.

Es ist der palästinensische und libanesische Widerstand, der Selbstverteidigung praktiziert, sein Volk tagtäglich vor dem Terror des Kolonialismus schützt und den Weg zu Gerechtigkeit, Befreiung, Entkolonialisierung und echtem Frieden in der Region weist.

Die Einheitsintifada/Schlacht von Seif al-Quds im Jahr 2021 zeigte die wahre Schwäche hinter den milliardenschweren Rüstungsbeständen der kolonialen Besatzer. Dieser Kampf, der hier als „Feindseligkeiten mit der Hamas während elf Tagen im Mai 2021“ bezeichnet wird, war in Wirklichkeit eine Konfrontation des gesamten palästinensischen Volkes im gesamten Palästina, vom Fluss bis zum Meer, und im Exil und in der Diaspora, gegen Kolonialismus, Landkonfiszierung und Hauszerstörungen. Der Widerstand in Gaza reagierte, um palästinensische Häuser und Land in Jerusalem zu schützen, und zeigte seine in jahrelangem Kampf geschärfte Stärke.

Biden und Lapid betreiben auch Kriegshetze gegen den Iran und den Widerstand. Der Iran hat das Recht auf Selbstverteidigung, und es sind die USA, die wiederholt Verträge und Verpflichtungen einseitig untergraben und gleichzeitig einseitige Sanktionen verhängt haben, um das iranische Volk durch Wirtschaftskriege auszuhungern.

Wieder einmal spricht ein amerikanisch-zionistisches Projekt von der „Veränderung des Gesichts des Nahen Ostens“ durch Normalisierung und die Abraham-Abkommen. Wie Condoleeza Rice‘ Versprechen eines „neuen Nahen Ostens“ ist dies mehr vom Gleichen: reaktionäre Regime, Destabilisierung, Kriegstreiberei und imperiale Vorherrschaft. Das sich wirklich verändernde Gesicht der Region spiegelt sich im endgültigen Abzug der US-Truppen aus dem Irak, im Sieg des Libanon gegen die israelischen Angriffe vor 16 Jahren und im Aufschwung der Intifada der Einheit/Seif al-Quds wider.

Biden und Lapid greifen die „Delegitimierung“ der zionistischen Besatzung an und bekräftigen „den rechtmäßigen und legitimen Platz Israels“. Die Realität ist jedoch, dass das zionistische Regime, das zionistische Projekt in Palästina, ein illegitimes Siedlerkolonialprojekt ist, das auf der gewaltsamen Enteignung des palästinensischen Volkes beruht, und dies wird nicht nur weltweit, sondern auch in den Vereinigten Staaten zunehmend anerkannt.

Im Gegensatz zu den Behauptungen von Biden und Lapid ist dieses illegitime Siedlerkolonialprojekt in der Tat „auserwählt“, um geschützt und straffrei zu bleiben, und nicht, um sinnvolle Konsequenzen zu ziehen, einschließlich vor dem Internationalen Strafgerichtshof und den Vereinten Nationen. In der Tat haben die USA Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verhängt, um Verfahren gegen ihre eigenen führenden Politiker sowie gegen zionistische Beamte wegen ihres Verhaltens in Afghanistan und im Irak zu untergraben. Der IStGH hat sich fast ausschließlich mit Fällen gegen afrikanische Beamte befasst und derzeit eine Untersuchung in der Ukraine eingeleitet, während palästinensische Opfer von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit trotz der gründlichen Arbeit vieler engagierter und angesehener Juristen-Teams nach wie vor auf die lange Bank geschoben und „ausgesondert“ werden, um zum Schweigen gebracht und ignoriert zu werden.

Sowohl die USA als auch die zionistische Besatzung haben wiederholt gezeigt, dass sie entgegen ihren Behauptungen in diesem Dokument nicht „die freie Meinungsäußerung unterstützen“, insbesondere wenn es um das Recht geht, die zionistische Besatzung zu boykottieren.

Es gibt Dutzende von Anti-BDS-Gesetzen in den Staaten der USA, die das Recht auf Boykott direkt angreifen. In New York City hat der Stadtrat Anhörungen einberufen, um den Campus-Aktivismus für Palästina zu stigmatisieren und anzugreifen, als Studenten und Dozenten einer öffentlichen Universität einen Antrag für den Boykott der zionistischen Besatzung an der CUNY Law School angenommen haben. Dutzende von Kongressabgeordneten haben eine FBI-Untersuchung des Mapping Project gefordert, das die jahrzehntelange Überwachung, Infiltration und gezielte Angriffe des FBI und der Polizei auf arabische und palästinensische Gemeindeorganisationen im ganzen Land aufdeckt.

Zionistische Beamte verweigern Menschen – insbesondere Palästinensern – routinemäßig die Einreise, weil sie den Boykott unterstützen, während sie den Boykott selbst als eine Form von „Terror“ bezeichnen und Ministerien und Sonderbüros einrichten, um den Boykott zu unterdrücken.

Trotz alledem wächst die Kampagne für Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen die Zionistische Besatzung. Die Normalisierungskampagne ist ein fehlgeschlagener Versuch, die Realität zu verschleiern, dass weltweit immer mehr Menschen die Boykottkampagne in ihren Universitäten, Gewerkschaften, Kirchen und Institutionen übernehmen, ganz zu schweigen vom kulturellen und akademischen Boykott und dem Boykott an den Verkaufsstellen.

Zwei Einrichtungen des zionistischen Waffenhändlers Elbit Systems im Vereinigten Königreich wurden aufgrund der direkten Aktion von Palestine Action geschlossen. Vom anhaltenden arabischen Boykott, der trotz der Normalisierungsmanöver reaktionärer Regime auf Geheiß des Imperialismus immer noch nicht gebrochen wurde, über die wachsenden internationalen Boykottkampagnen in den 1970er und 1980er Jahren bis hin zu den Post-Durban-Kampagnen der frühen 2000er Jahre für Boykott und Divestment von Zionismus und der Zionistischen Besatzung, dem BDS-Aufruf von 2005 und den Resolutionen in Hunderten von Studentenregierungen, Gewerkschaften, akademischen Vereinigungen, Lebensmittelgenossenschaften und anderen Vereinigungen – allein in den USA.

Einmal mehr wird in der Erklärung versucht, den Boykott der Zionistischen Besatzung und die Kampagnen zur Rechenschaftslegung vor dem Internationalen Strafgerichtshof und den Vereinten Nationen mit einem „Anstieg des Antisemitismus“ in Verbindung zu bringen. In Wirklichkeit sind es die zionistische Besatzung und der Zionismus, die mit rechtsgerichteten und faschistischen Kräften in der ganzen Welt verbündet sind. Hier wird kein Interesse an der Auseinandersetzung mit Faschismus und Neonazis gezeigt; stattdessen versuchen Biden und Lapid, Palästinenser und diejenigen, die für palästinensische Rechte, Freiheit und Befreiung kämpfen, zu verleumden.

Während die Erklärung den palästinensischen Widerstand als „terroristische Angriffe“ bezeichnet, schweigt sie sich über die andauernden außergerichtlichen Hinrichtungen von Palästinensern, die Zerstörung palästinensischer Häuser, die Beschlagnahmung von palästinensischem Land und die Massenverhaftung und Inhaftierung von über 4.700 Palästinensern völlig aus. Dabei werden die über 60 palästinensischen Märtyrer, die in diesem Jahr ihr Leben verloren haben, weil sie ihr Land verteidigten oder einfach nur ihr Leben unter kolonialer Belagerung lebten, völlig ignoriert, und viele von ihnen werden vom zionistischen Regime als Geiseln und Gefangene gehalten.  Selbst die 2022 getöteten palästinensischen US-Bürger, die Biden vertreten soll – die berühmte Journalistin Shireen Abu Aqleh und der geliebte Vater Omar As’ad – werden von amerikanischer Seite weder erwähnt noch beachtet.

Wir trauern um die palästinensischen Märtyrer, wir würdigen ihren Heldenmut und ihre Standhaftigkeit. Im Gegensatz zu den Behauptungen in dieser Erklärung des Imperiums, es sind das Streben für die Freiheit, die enorme Innovation und Kreativität, die Liebe zum Leben und zur Menschlichkeit des palästinensischen Volkes, seine Revolution und sein Widerstand, die uns – und die Menschen in der Welt – inspirieren. Deshalb ist die Flagge Palästinas überall dort, wo es um eine gerechte Sache geht, auf den Straßen zu sehen, ein universelles Symbol der Befreiung und des Versprechens der Menschheit auf eine bessere Zukunft, frei von Imperialismus, Zionismus, Rassismus, Kapitalismus und Ausbeutung.

In der Erklärung wird die Zusammenarbeit der USA und Israels im Bereich „Technologie“ gelobt. Es ist klar, dass eine Zusammenarbeit zwischen den US-Geheimdiensten, die die Welt abgehört haben, und der berüchtigten Tech-Industrie der NSO-Gruppe und ihrer Pegasus-Spionagesoftware, die verwendet wird, um die persönliche Kommunikation von Menschenrechtsverteidigern, Aktivisten und Journalisten – einschließlich des palästinensischen US-Bürgers Ubai Aboudi und des palästinensischen französischen Bürgers Salah Hammouri – zu infiltrieren, eine Bedrohung für die Sicherheit und die Rechte der Menschen auf der Welt darstellt. Große Technologieunternehmen zensieren bereits antiimperialistische Stimmen und insbesondere Palästinenser und versuchen, die Wahrheit in die Tasche zu stecken, nachdem Menschen auf der ganzen Welt die Realität des Lebens im besetzten Palästina kennengelernt haben.

Die flüchtige Erwähnung der Palästinensischen Autonomiebehörde bestätigt nur, dass Biden die Palästinensische Autonomiebehörde nicht als unabhängige Einheit betrachtet, sondern als Sicherheitsunterauftragnehmer für die zionistische Besatzung, wobei die Ausbildung und Finanzierung dieser Sicherheitskräfte von den Vereinigten Staaten übernommen wird. Die Rechte und Interessen des palästinensischen Volkes werden stattdessen auf den „Wirtschaftsfrieden“ verschoben, den wiederholten und gescheiterten Versuch, das palästinensische Volk und seinen Widerstand zu befrieden, indem man den palästinensischen Kapitalisten ein paar Krümel gibt.

Die drängendsten Probleme des palästinensischen Volkes werden völlig ausgeblendet – das Recht von Millionen palästinensischer Flüchtlinge, die seit Beginn der nun 75 Jahre andauernden Nakba aus ihrer Heimat vertrieben wurden, zurückzukehren; das Recht von über 4.700 palästinensischen Gefangenen, aus zionistischen Knästen befreit zu werden; die Rückgewinnung von Land, Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht für andauernde Verbrechen. Die Auslöschung der Nakba in einer solchen Erklärung kann jedoch nichts an der Realität ändern, in der sich die Stärke des Widerstands jeden Tag im Kampf zeigt.

Die Erklärung schließt mit Überlegungen über „gemeinsame Anstrengungen, die zwischen ihren Völkern auf allen Ebenen der Regierung und der Zivilgesellschaft unternommen werden“. Im Gegensatz zu den Behauptungen in Bidens Erklärung zielen diese Bemühungen auf die Verstärkung der militarisierten Polizeiarbeit, die verstärkte digitale Überwachung, die Verarmung der Völker der Welt, die Bereicherung von Militärkonzernen und Kriegsprofiteuren, die Zerstörung der einheimischen Landwirtschaft, die Spaltung der Völker der Region und das Schüren von Kriegen in der ganzen Welt. Dies ist ein Bündnis der herrschenden Klasse auf Kosten der Völker der Welt, mit dem palästinensischen und arabischen Volk und allen Völkern der Region an vorderster Front. Wir müssen diesem Bündnis entgegentreten, indem wir versuchen, alle derartigen gemeinsamen Unternehmungen zu zerschlagen und stattdessen die gemeinsamen Projekte aufzubauen, die für die Welt dringend notwendig sind: gemeinsamer Widerstand, gemeinsamer Kampf und Volksbewegungen, die sich dem Imperialismus, dem Zionismus und den von ihnen aufgezwungenen reaktionären Projekten widersetzen.

So wie die Befreiung Algeriens und Vietnams die Welt inspiriert hat, einschließlich der Bewegungen für Gerechtigkeit und Befreiung in den imperialistischen Nationen, und wie die Völker Lateinamerikas und der Karibik, Afrikas und Asiens trotz Blockaden, Invasionen und Ermordungen dem US-Imperialismus weiterhin Widerstand geleistet haben, so macht heute die Hoffnung auf Menschlichkeit, die der palästinensische Widerstand zeigt – und der Widerstand im Libanon, im Jemen und darüber hinaus, inmitten aller Anzeichen, dass das Imperium bröckelt, deutlich, dass eine andere, bessere Welt möglich ist. Sie steht im direkten Gegensatz zu der Vision von Biden und Lapid – aber es ist die Vision von Gerechtigkeit und Menschlichkeit für die Völker der Welt.

From the river to the sea, Palestine will be free!

Es lebe die internationale Solidarität!

Vor 50 Jahren geführt und nun ins Deutsche übersetzt: Ein Interview mit Ghassan Kanafani über seine Kindheit, seine Rolle als Intellektueller und Revolutionär

Anlässlich des halben Jahrhunderts seit der Ermordung Ghassan Kanafanis veröffentlichen wir die deutsche Übersetzung seines Interviews mit Palestinian Affairs (Ausgabe 36) vom Juli 1974. Ursprünglich auf Arabisch bei Romman veröffentlicht.

Ein Interview, das zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlicht wurde: Mit dem Märtyrer Ghassan Kanafani.

Palestinian Affairs erhielt den vollständigen Text eines unveröffentlichten privaten Gesprächs, das von einem Schweizer Schriftsteller geführt wurde, der ein Spezialist für Ghassan Kanafanis Literatur war. Wenige Wochen nach der Ermordung des palästinensischen Widerstandsmärtyrers in 1972 ist dieses Interview Teil der grundlegenden wissenschaftlichen Studie des Autors über das literarische Werk von Ghassan Kanafani:

Ghassan, können Sie mir etwas über Ihre persönlichen Erfahrungen erzählen?

Ich denke, meine Geschichte spiegelt einen sehr traditionellen palästinensischen Hintergrund wider. Ich verließ Palästina, als ich elf Jahre alt war, und stammte aus einer Mittelklassefamilie. Mein Vater war Anwalt und ich besuchte eine französische Missionsschule. Plötzlich brach diese Mittelklassefamilie zusammen und wir wurden zu Flüchtlingen, und mein Vater hörte aufgrund seiner tiefen Verwurzelung in der Klasse sofort auf zu arbeiten. Nachdem wir Palästina verlassen hatten, machte es für ihn keinen Sinn mehr, weiter zu arbeiten. Das hätte ihn gezwungen, seine soziale Klasse aufzugeben und in eine niedrigere Klasse zu wechseln. Das ist nicht einfach. Was uns betrifft, so haben wir schon als Kinder und Jugendliche angefangen zu arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Ich konnte meine Ausbildung aus eigener Kraft fortsetzen, indem ich als Lehrerin in einer der Grundschulen des Dorfes arbeitete, für die keine hohen akademischen Qualifikationen erforderlich sind. Das war ein logischer Anfang, denn so konnte ich mein Studium fortsetzen und in der Zwischenzeit die Sekundarschule abschließen. Danach schrieb ich mich für drei Jahre an der Universität [Damaskus-Universität] im Fachbereich für arabische Literatur ein, wurde dann aber aus politischen Gründen entlassen. Dann ging ich nach Kuwait, wo ich sechs Jahre lang blieb. Dort begann ich zu lesen und zu schreiben.

Meine politische Laufbahn begann 1952, als ich vierzehn oder fünfzehn Jahre alt war. Im selben Jahr oder 1953 traf ich Dr. George Habash zum ersten Mal zufällig in Damaskus. Ich arbeitete als Korrekturleser in einer Druckerei. Ich weiß nicht mehr, wer mich dem Arzt vorstellte, aber meine Beziehung zu ihm begann zu dieser Zeit. Ich trat sofort in die Reihen der Arabischen Nationalistischen Bewegung ein, und so begann mein politisches Leben. Während meines Aufenthalts in Kuwait war ich politisch in der Arabischen Nationalistischen Bewegung aktiv, die heute in der kuwaitischen Regierung eine bedeutende Minderheit darstellt. Im Jahr 1960 wurde ich gebeten, in den Libanon zu gehen, um an der Zeitung der Partei mitzuarbeiten. 1967 wurde ich gebeten, für die Volksfront zur Befreiung Palästinas, den palästinensischen Zweig der Arabischen Nationalistischen Bewegung, zu arbeiten. 1969 begann ich meine Arbeit bei der Zeitung „Al-Hadaf“, für die ich bis heute tätig bin.

Haben Sie durch Ihr Studium der arabischen Literatur mit dem Schreiben begonnen?

Nein, ich glaube, mein Interesse an der arabischen Literatur begann schon vor meinem Studium. Ich vermute, dass dieses Interesse das Ergebnis eines Komplexes war, wenn ich mich recht erinnere. Bevor wir Palästina verließen, besuchte ich, wie ich bereits erwähnte, eine französische Missionsschule. Daher beherrschte ich die arabische Sprache nicht wie ein Araber. Das bereitete mir eine Menge Probleme. Meine Freunde machten sich immer über mich lustig, weil ich nicht gut Arabisch konnte. Als wir in Palästina waren, war diese Wahrnehmung aufgrund meiner sozialen Schicht nicht eindeutig. Aber als wir Palästina verließen, gehörten meine Freunde einer anderen sozialen Schicht an und bemerkten sofort, dass mein Arabisch schlecht war und dass ich in meinen Gesprächen auf fremde Ausdrücke zurückgriff, und so konzentrierte ich mich auf die arabische Sprache, um mein Problem zu lösen. Das war wahrscheinlich im Jahr 1954. Ich glaube, ich habe mir in diesem Jahr bei einem Unfall das Bein gebrochen. Ich musste sechs Monate lang im Bett bleiben. Damals begann ich ernsthaft, Arabisch zu lesen.

Ich denke, es gibt in der Geschichte viele Beispiele von Menschen, die ihre Sprache „verloren“ haben und deshalb versuchen, sie wiederzuerlangen. Glauben Sie, dass dieser Prozess einen Menschen politisch weiterbringt?

Ich weiß es nicht. Das mag schon sein. Was mich persönlich betrifft, so wurde ich auf eine andere Weise politisiert. Ich habe mich schon früh mit Politik beschäftigt, weil wir im Lager gelebt haben. So kam ich durch die traurige und emotionale Atmosphäre, die ich als Kind erlebt habe, in direkten Kontakt mit den Palästinensern und ihren Problemen. Es war nicht schwer für mich, die politischen Wurzeln des Umfelds, in dem ich lebte, zu entdecken.

Als ich zu unterrichten begann, hatte ich große Schwierigkeiten mit den Kindern, die ich im Lager unterrichtete. Ich wurde immer wütend, wenn ich ein Kind in der Klasse schlafen sah. Dann habe ich einfach herausgefunden, warum: Diese Kinder arbeiteten nachts, verkauften Süßigkeiten oder Kaugummi oder ähnliches in den Kinos und auf der Straße. Natürlich kamen sie dann sehr müde in den Unterricht. In einer solchen Situation kommt man dem Problem sofort auf den Grund. Mir wurde klar, dass der Traum des Kindes nicht das Ergebnis seiner Verachtung für mich oder seines Hasses auf die Bildung war, genauso wenig wie er etwas mit meiner Würde als Lehrer zu tun hatte, sondern lediglich ein politisches Problem widerspiegelte.

Ihre Erfahrungen als Lehrer haben also zur Entwicklung Ihres sozialen und politischen Bewusstseins beigetragen.

Ja, und ich erinnere mich, dass es eines Tages direkt passiert ist. Wie Sie wissen, unterrichten Grundschullehrer alle Fächer, einschließlich Zeichnen, Rechnen, Englisch, Arabisch und andere Fächer. Eines Tages versuchte ich, den Kindern das Zeichnen eines Apfels und einer Banane nach dem von der syrischen Regierung genehmigten Lehrplan beizubringen, da ich dort unterrichtete und mich daher an das Buch halten musste. Und in diesem Moment, als ich versuchte, diese beiden Bilder so gut wie möglich an die Tafel zu malen, spürte ich ein Gefühl der Entfremdung, der Nichtzugehörigkeit; und ich erinnere mich gut daran, dass ich in diesem Moment das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen, denn ich erkannte, noch bevor ich in die Gesichter der hinter mir sitzenden Kinder sah, dass sie noch nie einen Apfel oder eine Banane gesehen hatten. Diese Dinge waren also das Letzte, was sie interessierte. Es gab keine Verbindung zwischen ihnen und diesen beiden Bildern. Tatsächlich war die Beziehung zwischen ihren Gefühlen und diesen Zeichnungen angespannt, nicht gut. Das war ein entscheidender Wendepunkt, denn ich erinnere mich noch genau an diesen Moment unter all den Ereignissen meines Lebens. Daraufhin löschte ich die Zeichnungen an der Tafel und bat die Kinder, das Lager zu zeichnen. Als einige Tage später der Inspektor in die Schule kam, sagte er, dass ich von dem von der Regierung vorgegebenen Programm abgewichen sei, was beweisen würde, dass ich ein gescheiterter Lehrer sei. Dass ich mich verteidigen musste, führte mich direkt zur palästinensischen Sache. Die Anhäufung kleiner Schritte wie dieser bringt Menschen dazu, Entscheidungen zu treffen, die ihr ganzes Leben prägen werden.

Ich denke, wenn man sich mit Kunst beschäftigt, jedenfalls als Sozialist, verbindet man die Kunst direkt mit der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Sphäre. Sie haben dies mit der Zeichnung eines Apfels und einer Banane angedeutet. Aber was Ihre Schriften angeht, haben diese Werke einen Bezug zu Ihrer Realität und der gegenwärtigen Situation, oder sind sie aus dem [literarischen] Erbe abgeleitet?

Meine erste Kurzgeschichte wurde 1956 unter dem Titel „Eine neue Sonne“ veröffentlicht. Darin geht es um einen Jungen in Gaza. Wenn ich alle Geschichten, die ich bisher über Palästina geschrieben habe, Revue passieren lasse, ist mir klar, dass jede Geschichte direkt oder indirekt, mit einem dünnen oder festen Faden, mit meinen persönlichen Lebenserfahrungen verbunden ist. Mein Schreibstil hat sich jedoch in der Zeit zwischen 1956 und 1960, genauer gesagt im Jahr 1962, voll entwickelt. Zunächst schrieb ich über Palästina als eigenständiges Problem, über palästinensische Kinder, über den Palästinenser als Menschen, über palästinensische Hoffnungen, die sich von unserer unabhängigen und autonomen Welt abheben, als unvermeidliche palästinensische Tatsachen. Dann wurde mir klar, dass ich in Palästina ein ganzheitliches menschliches Symbol sehe. Wenn ich über eine palästinensische Familie schreibe, schreibe ich eigentlich über eine menschliche Erfahrung. Es gibt kein Ereignis in der Welt, das nicht in der palästinensischen Tragödie enthalten ist. Wenn ich das Elend der Palästinenser beschreibe, sehe ich die Palästinenser als ein Symbol für das Elend in der ganzen Welt. Und man kann sagen, dass Palästina in meinen Geschichten die ganze Welt repräsentiert. Der [Literatur-]Kritiker kann nun feststellen, dass es in meinen Geschichten nicht nur um das palästinensische [Individuum] und seine Probleme geht, sondern auch um die menschliche Verfassung eines Menschen, der unter diesen Problemen leidet. Aber vielleicht kristallisieren sich diese Probleme im Leben der Palästinenser stärker heraus.

Ging Ihre literarische Entwicklung mit Ihrer politischen Entwicklung einher?

Ja. Ich weiß eigentlich nicht, was dem anderen vorausging. Vorgestern habe ich eine meiner Erzählungen gesehen, die verfilmt wurde. Ich hatte diese Geschichte 1961 geschrieben. Ich sah den Film mit einer neuen Perspektive, da ich plötzlich entdeckte, dass der Dialog zwischen den Protagonisten, ihre Denkweise, ihre [soziale] Klasse, ihre Bestrebungen und ihre Wurzeln zu jener Zeit fortgeschrittene Konzepte meines politischen Denkens zum Ausdruck brachten. Ich kann also sagen, dass meine Persönlichkeit als Romanautor weiter entwickelt war als meine Persönlichkeit als Politiker und nicht umgekehrt, und das spiegelt sich in meiner Analyse und meinem Verständnis der Gesellschaft wider.

Spiegelt Ihr Schreiben eine Analyse Ihrer Gesellschaft wider, oder färben Sie Ihre Analysen auch auf emotionale Weise?

Ich nehme an, meine Geschichten basierten anfangs auf einer emotionalen Situation. Aber man kann sagen, dass mein Schreiben seit den frühen sechziger Jahren die Realität widerspiegelt. Meine Beobachtung dieser Realität und mein Schreiben darüber führten mich zu einer richtigen Analyse. Meinen Geschichten selbst fehlt die Analyse. Sie erzählen jedoch von der Art und Weise, wie die Protagonisten der Geschichte handeln, von den Entscheidungen, die sie treffen, von den Gründen, die sie dazu bewegen, diese Entscheidungen zu treffen, von der Möglichkeit, diese Entscheidungen zu kristallisieren, usw. In meinen Romanen gebe ich die Realität wieder, wie ich sie verstehe, ohne sie zu analysieren. Was ich damit meinte, dass meine Geschichten weiter entwickelt sind [als meine politischen Ansichten], war mein aufrichtiges Erstaunen, als ich die Entwicklung der Figuren in der Geschichte verfolgte, die ich als Film sah und die ich seit einigen Jahren nicht mehr gelesen hatte. Ich war erstaunt, als ich [wieder] den Dialogen meiner Figuren über ihre Probleme zuhörte und in der Lage war, ihre Dialoge mit den politischen Artikeln zu vergleichen, die ich im gleichen Zeitraum geschrieben hatte, und sah, dass die Protagonisten der Geschichte die Dinge auf eine tiefere und korrektere Weise analysierten als meine politischen Artikel.

Sie erwähnten, dass Sie Ihre politische Arbeit mit dem Beitritt zur Arabischen Nationalistischen Bewegung an dem Tag begannen, an dem Sie Habash 1953 trafen. Wann haben Sie sich [damals] sozialistische Prinzipien zu eigen gemacht? Die Arabische Nationalistische Bewegung war anfangs keine sozialistische Bewegung.

Nein, das war sie nicht. Die arabische nationalistische Bewegung richtete sich gegen Kolonialismus, Imperialismus und reaktionäre Bewegungen. Damals hatte sie keine ideologische Linie. Allerdings hat diese Bewegung in den Jahren ihres Bestehens eine eigene sozialistische Linie angenommen. Der Antiimperialismus gibt dem Sozialismus Impulse, wenn er nicht mitten im Kampf aufhört zu kämpfen und wenn er sich nicht mit dem Imperialismus einigt. Wenn dies der Fall ist, wird diese Bewegung nicht in der Lage sein, eine sozialistische Bewegung zu werden. Aber wenn man weiter kämpft, [ist es natürlich], dass sich die [antiimperialistische] Bewegung zu einer sozialistischen Position entwickelt. Die arabischen Nationalisten erkannten diese Tatsache in den späten 1950er Jahren. Sie erkannten, dass sie den Krieg gegen den Imperialismus nicht gewinnen konnten, wenn sie sich nicht auf bestimmte [soziale] Klassen stützten: jene Klassen, die gegen den Imperialismus nicht nur für ihre Würde, sondern auch für ihren Lebensunterhalt kämpfen. Und das war der Weg, der direkt zum Sozialismus führen würde.

Aber in unserer Gesellschaft und unserer Bewegung [der Arabischen Nationalistischen Bewegung] waren wir sehr empfindlich gegenüber marxistisch-leninistischen [Prinzipien], und diese Haltung war nicht das Ergebnis unserer Feindseligkeit gegenüber dem Sozialismus, sondern das Ergebnis der Fehler, die die kommunistischen Parteien in der arabischen Welt gemacht hatten. Deshalb war es für die arabische nationalistische Bewegung vor 1964 sehr schwierig, den Marxismus-Leninismus zu übernehmen. Aber 1967, genauer gesagt im Juli, nahm die Volksfront die [Prinzipien] des Marxismus-Leninismus an und war damit die einzige [Front] innerhalb der Arabischen Nationalistischen Bewegung, die einen solchen Schritt unternahm. Die Arabische Nationalistische Bewegung änderte ihren Namen in Sozialistische Arbeiterpartei. Der palästinensische Zweig der Bewegung nannte sich „Volksfront“. Dies ist natürlich eine Vereinfachung des Problems. Wir hatten uns innerhalb der Arabischen Nationalistischen Bewegung entwickelt. Innerhalb dieser Bewegung gab es einen ständigen Kampf zwischen der so genannten Rechten und der Linken. In jeder Runde hat die Linke gewonnen, weil unsere Position zum Antiimperialismus und zu reaktionären Haltungen besser war [als die der Rechten]. Das Ergebnis war die Annahme des Marxismus-Leninismus.

Was mich betrifft, so weiß ich nicht mehr, ob meine Position zu den Konflikten, die innerhalb der Front auftraten, eher rechts oder links war, denn die Grenze zwischen rechts und links war damals nicht so getrennt wie heute, wie es zum Beispiel in den entwickelten politischen Parteien der Fall ist. Aber ich kann sagen, dass es in der arabisch-nationalistischen Bewegung einige junge Elemente gab, zu denen auch ich gehörte, die sich über die Empfindlichkeit der alten Leute gegenüber dem Kommunismus lustig machten. Natürlich waren wir damals keine Kommunisten und wir waren nicht für den Kommunismus. Aber unsere Sensibilität gegenüber dem Kommunismus war weniger ausgeprägt als die der Älteren. Folglich spielte die neue Generation eine führende Rolle bei der Entwicklung der Arabischen Nationalistischen Bewegung zu einer marxistisch-leninistischen Bewegung. Der Hauptfaktor dabei war die Tatsache, dass die Mehrheit der Mitglieder der Arabischen Nationalistischen Bewegung der armen Klasse angehörte. Die Zahl der Mitglieder, die dem Bürgertum oder der Großbourgeoisie angehörten, war begrenzt. Sie blieben auch nicht in dieser Bewegung, sondern verließen sie innerhalb von zwei Jahren nach ihrem Beitritt. Es traten auch neue Mitglieder [aus diesen Klassen] bei, die dann ihrerseits [kurz darauf] wieder austraten. Was die armen Klassen betrifft, so machten sie weiter und bildeten bald eine starke Kraft innerhalb der Arabischen Nationalistischen Bewegung.

Wann haben Sie mit dem Studium des Marxismus-Leninismus begonnen? Können Sie sich daran erinnern?

Ich glaube nicht, dass meine eigenen Erfahrungen in dieser Hinsicht traditionell sind. Zunächst einmal war und bin ich ein Bewunderer der sowjetischen Schriftsteller. Allerdings war meine Bewunderung für sie zu jener Zeit absolut, was mir half, das Eis zwischen mir und dem Marxismus zu brechen. Auf diese Weise wurde ich durch meine Lektüre und Bewunderung für sowjetische Schriftsteller schon früh mit dem Marxismus konfrontiert. Zweitens war der Ehemann meiner Schwester ein prominenter kommunistischer Führer. Meine Schwester heiratete 1952, und ihr Mann beeinflusste mein Leben in dieser frühen Phase. Als ich nach Kuwait ging, wohnte ich mit sechs anderen jungen Leuten in einem Haus, und ein paar Wochen nach meiner Ankunft fand ich heraus, dass sie eine kommunistische Zelle bildeten. So begann ich schon sehr früh, über den Marxismus zu lesen. Ich weiß nicht, wie viel ich damals unter dem Einfluss dieser Emotionen mit der Arabischen Nationalistischen Bewegung aufgesogen habe. Ich kann nicht beurteilen, wie viel ich von dem, was ich las, verstand oder verstehen konnte. Aber der Inhalt war mir nicht fremd.

Vielleicht waren es diese frühen Einflüsse, die Ihre [frühen] Geschichten [in Bezug auf Ihre damaligen politischen Ideen] vorangebracht haben. Ich denke, Ihre Lektüre der sowjetischen Literatur und Ihre Kontakte zu Marxisten haben sich in Ihrem Schreiben niedergeschlagen.

Ich glaube nicht, dass diese Faktoren Vorrang haben. Ich denke, den größten Einfluss auf mein Schreiben hat die Realität selbst: was ich sehe, die Erfahrungen meiner Freunde, Verwandten, Brüder und Schwestern und Studenten, mein Leben in den Lagern mit Armut und Elend. Das sind die Faktoren, die mich beeinflusst haben. Vielleicht war meine Vorliebe für die sowjetische Literatur darauf zurückzuführen, dass sie ausdrückt, analysiert, behandelt und beschreibt, was ich tatsächlich gesehen habe. Meine Bewunderung hält natürlich an. Ich weiß jedoch nicht, ob die sowjetische Literatur einen Einfluss auf mein Schreiben hatte. Ich weiß auch nicht, wie groß dieser Einfluss war. Ich ziehe es vor zu sagen, dass die erste Wirkung nicht auf sie zurückzuführen ist, sondern auf die Realität selbst. Alle Figuren in meinen Romanen wurden von der Realität inspiriert, die mir Kraft gab, und nicht von der Phantasie. Auch habe ich meine Helden nicht aus künstlerischen [literarischen] Gründen ausgewählt. Sie waren alle aus dem Lager, nicht von außen. Was die künstlerischen Figuren in meinen ersten Geschichten betrifft, so waren sie immer böse. Und das liegt an [meiner Erfahrung mit] meinen Untergebenen bei der Arbeit. Das Leben selbst hatte also den größten Einfluss [auf mein Schreiben].

Sie gehörten der Mittelschicht an, sind aber als Kind zum Proletariat übergetreten.

Ja, natürlich ist mein Hintergrund mit der Mittelschicht verbunden, weil mein Vater der Mittelschicht angehörte, bevor wir als Flüchtlinge nach Syrien gingen. Und die Verbundenheit meiner Familie mit ihren [Klassen-]Wurzeln war weit entfernt von der Realität, die keine Verbindung zu diesen Wurzeln hatte. Und wir Kinder mussten den Preis für diesen Widerspruch [zwischen der Vergangenheit und der Realität] zahlen. Deshalb wurde meine Beziehung [zu Mitgliedern meiner Klasse] aggressiv statt freundlich. Ich werde nicht so tun, als ob ich mich dem Proletariat angeschlossen hätte. Ich war kein echter Proletarier, sondern ich schloss mich dem an, was wir in unserer Sprache das „Lumpenproletariat“ nennen, dessen Mitglieder nicht Teil des Produktionsapparats sind, sie [leben] am Rande des Proletariats. Aber es hat mir natürlich geholfen, die Ideologie des Proletariats zu verstehen, aber ich kann nicht sagen, dass ich damals Teil des Proletariats war.

Aber Sie waren von Anfang an in der Lage, die Realität aus der Perspektive der Unterdrückten zu sehen.

Ja, das kann man so sagen. Mein Konzept war jedoch nicht wissenschaftlich-analytisch ausgearbeitet, sondern [einfach Ausdruck] eines emotionalen Zustands.

Gehen wir nun zurück ins Jahr 1967, als die „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ gegründet wurde. Was waren die Überzeugungen dieser Organisation und was waren die Gründe für die Gründung einer neuen Organisation?

Wie Sie wissen, handelt es sich bei der Volksfront nicht um eine neue Organisation. Sie ist im Wesentlichen der palästinensische Zweig der Arabischen Nationalistischen Bewegung, der ich angehörte. Sie entstand zunächst durch Mitglieder der Bewegung im Jahr 1967. Wir haben die „Volksfront“ ins Leben gerufen, weil die arabische Welt [im politischen Raum] eine zentrale Rolle spielte. Auch der palästinensische Zweig der Arabischen Nationalistischen Bewegung hat sich stark vergrößert, und es gab Veränderungen in seiner Führung und in der Mentalität seiner Mitglieder. Also haben wir uns der Volksfront angeschlossen. Natürlich bin ich persönlich der Front beigetreten, weil ich glaube, dass die Front als Partei ein relativ fortgeschrittenes Stadium der anderen [politischen] Organisationen auf dem Gebiet der palästinensischen Arbeit darstellt. Ich glaube, dass ich meine Zukunftsvisionen durch diese Organisation verwirklichen kann. Das ist der Hauptgrund, warum ich der Volksfront beigetreten bin.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Chefredakteur der Zeitung „Al-Hadaf“ in dieser Organisation, und können Sie mir etwas über ihre Methode der Massenmobilisierung erzählen?

Ich bin Mitglied dieser Organisation, die in der Tat eine Partei darstellt, die ihr eigenes internes System und ihre eigene politische Strategie hat. Sie hat auch eine Organisations- und Führungsstrategie, die auf demokratischen Grundprinzipien beruht. Daher muss ich, wenn mir die Führung dieses besondere Amt überträgt, ein bestimmtes Programm absolvieren. Ich bin Mitglied des Zentralen Informationsausschusses der Volksfront. Al Hadaf ist Teil der Medienstruktur der Volksfront, entsprechend unserem Verständnis von Medien, das sich nicht auf Propaganda beschränkt, sondern über Bildung usw. hinausgeht. Ich bin nicht für Al Hadaf verantwortlich. Diese Aufgabe ist dem Zentralen Medienkomitee anvertraut, und ich vertrete dieses Komitee bei der Zeitung. In der Praxis muss ich mich um den organisatorischen Aspekt dieser Institution (Al Hadaf) kümmern, aber wir haben einen Ausschuss, der Al Hadaf liest und bewertet, Artikel schreibt und Leitartikel diskutiert. Innerhalb der Front gibt es zehn ähnliche Institutionen und Abteilungen. Unsere Einrichtung ist vielleicht kleiner als die anderen. Es gibt jedoch Kreise innerhalb der Volksfront, die in den Lagern soziale und politische Aktivitäten durchführen. Wir haben auch diejenigen, die in der Armee und in anderen Lagern arbeiten. Jeder von uns ist ein integraler Bestandteil des anderen. Diejenigen, die im organisatorischen Bereich arbeiten, d.h. bei der Organisation von Konferenzen, Bildungsprogrammen, Treffen und Kontakten mit den Massen, profitieren natürlich von unserer Zeitung, um den Standpunkt der Volksfront zu vertreten. Sie konsultieren uns auch in Bezug auf die Volksmassen. Als Ergebnis dieser dynamischen Beziehungen zwischen ihnen führen alle Kreise eine Kampagne zur Mobilisierung der Massen durch.

Können Sie mir etwas über die Zeitung selbst erzählen?

Die Arbeit [an der Zeitung] ist sehr anstrengend. So fühle ich mich jetzt, nachdem ich die Ausgabe für diese Woche fertiggestellt habe. Ich fühle mich erschöpft und es ist schrecklich für jemanden, der für eine solche Zeitung arbeitet. Wenn man den letzten Satz einer neuen Ausgabe beendet hat, hat man plötzlich zwanzig leere Seiten zu füllen. Außerdem wird jede Zeile, jeder Titel und jedes Bild in der Zeitung von den [Mitgliedern] an der Front diskutiert, und der kleinste Fehler wird kontrolliert. Die Zeitung wird also kritisiert, und die Arbeit an ihr ist nicht wie die Arbeit an einer normalen Zeitung. Bei einer gewöhnlichen Zeitung muss man einfach seine Arbeit machen, aber bei unserer Zeitung werden die kleinsten Details von den [verschiedenen Kreisen innerhalb der Front] besprochen, die sie sorgfältig lesen. Es ist also sehr schwierig für eine Person, vor diesem großen Gericht, das aus [anderen] Mitgliedern der Front besteht, eine integrierte Arbeit zu leisten. Die Person hat also das Gefühl, dass sie sich mehr anstrengen muss.

Außerdem leben wir heute in einem Entwicklungsland. In der Widerstandsbewegung und in einer Organisation wie der unseren versucht jede Abteilung, „Leute“ mit Talenten und Kompetenzen anzuwerben, wie unbedeutend sie auch sein mögen, um die anfallende Arbeit zu erfüllen, denn die Erledigung der Arbeit und die Umsetzung der einem zugewiesenen Programme sind für den Einzelnen von wesentlicher Bedeutung. Wir von Al Hadaf haben nur wenige Mitarbeiter, und wenn wir die Front bitten, uns mehr Mitarbeiter zuzuweisen, hören wir als Antwort: „Gebt uns zwei oder drei eurer Mitarbeiter, um die Basis zu unterrichten, denn die Arbeit an der Basis ist wichtiger als die Arbeit bei der Zeitung. Also schweigen wir, damit man uns nicht die Mitarbeiter wegnimmt. Für andere ist es schwer zu glauben, dass nur drei Personen Al Hadaf herausgeben. Diese Situation besteht nun schon seit drei Jahren. Manchmal bekommen wir [zusätzliche] Hilfe von einer vierten Person, aber dann verlässt uns diese Person, und wir bekommen eine andere, und die Geschichte wiederholt sich.

Dann muss man Tag und Nacht arbeiten.

Ja. Ich glaube nicht, dass einer der Kollegen weniger als 13-14 Stunden am Tag arbeitet. Und das nonstop, ohne Urlaub und ohne Gnade vor Kritik. Leute in unserer Organisation, in der Regierung und in anderen Zeitungen haben uns kritisiert.

Halten Sie Al-Hadaf für eine fortschrittliche Zeitung, und denken Sie, dass sie sich aus einem theoretischen politischen Blickwinkel wie eine fortschrittliche Zeitung liest?

Ja, und ich denke auch, dass das ein Problem darstellt. Ich will die Zeitung nicht loben, aber es ist sehr schwierig, tiefgreifende politische und theoretische Ideen auf einfache Art und Weise auszudrücken. Nur wenige Menschen haben diese Fähigkeit. In der Volksfront haben wir zwei Leute, die tiefe Gedanken auf eine einfache Art und Weise ausdrücken können, die jeder, der sie liest, verstehen kann. Einer von ihnen ist George Habash. Der andere ist einer der militärischen Führer, der wunderbare Stücke geschrieben hat. Für die anderen ist es schwierig, vor allem, wenn sie vorher nicht geübt haben. Wir werden immer wieder von der Basis kritisiert, dass es sehr schwierig ist, das zu verstehen, was unsere Zeitung schreibt, und dass wir die Dinge vereinfachen und auf einfache Weise schreiben müssen.

Deshalb nimmt die Vorbereitung der Zeitung viel Zeit in Anspruch, denn ich muss die Zeitung nach dem Schreiben überarbeiten und einige der darin angesprochenen Punkte vereinfachen. Ich denke, dass die Schaffung weiterer interner Zeitungen an der Front unsere Aufgabe und die Fortführung unserer Arbeit in diesem Bereich erleichtern würde. Die interne Zeitung kann einfache Dinge und einfache Ideen zum Ausdruck bringen. Für eine zentrale öffentliche Zeitung wie die unsere ist es schwierig, die internen Zeitungen zu imitieren, weil wir eine ernsthafte Linie verfolgen müssen. Deshalb versuchen wir [jetzt], die Anzahl der Artikel, die sich mit komplexen politischen Ideen befassen, zu begrenzen, so dass diese Artikel nur eine kleine Anzahl von Seiten einnehmen und sich auf direkte politische Kampagnen konzentrieren.

Veröffentlichen Sie in Ihrer Zeitung auch literarische Werke wie Gedichte und andere Arbeiten?

Wir widmen zwei Seiten der Literatur, der Filmkritik, dem Theater, der Kunst, der Malerei und mehr. Ich denke, die bereits erwähnten Journalisten sind die beliebtesten, weil viele Mitglieder der Front durch diese Seiten die linke Denkweise verstehen.

Haben Sie persönlich Kurzgeschichten veröffentlicht?

Seit ich bei Al-Hadaf arbeite, hatte ich keine Zeit mehr zum Schreiben. Tatsächlich habe ich erst [kürzlich] zwei Geschichten über eine alte Frau veröffentlicht, über die ich immer schreibe [Umm Saad]. Ich habe keine Zeit für literarisches Schreiben, und das ist sehr ärgerlich.

Würden Sie gerne mehr schreiben?

Wenn ich aus dem Büro komme und nach Hause gehe, fühle ich mich normalerweise so müde, dass ich nicht schreiben kann. Also lese ich stattdessen. Und natürlich muss ich jeden Tag zwei Stunden lesen, weil ich ohne das nicht weitermachen kann. Aber wenn ich mit dem Lesen fertig bin, fühle ich mich besser, wenn ich schlafen gehe oder mir einen dummen Film ansehe, denn ich kann nicht schreiben [nachdem ich meine Arbeit beendet habe].

Sind Sie der Meinung, dass sich die jüngsten Entwicklungen innerhalb der Front darin widerspiegeln, dass sie zu einem Kollektiv geworden ist, in dem es viele Debatten gibt, und nicht zu einem Kollektiv, das militärische Aktivitäten unternimmt?

Nein, ich stimme Ihnen nicht zu. In der Tat haben wir in der Front immer auf einer bestimmten strategischen Linie bestanden, deren Motto lautet, dass jeder Politiker auch ein Kämpfer ist und jeder Kämpfer auch ein Politiker ist. Was das Phänomen angeht, das Sie jetzt beobachten, so ist es nicht auf uns [die Front] beschränkt. Dieses Phänomen ist darauf zurückzuführen, dass sich die palästinensische Widerstandsbewegung aufgrund objektiver Umstände, die uns in dieser Zeit zu zerstören versuchen, in einem Zustand des Niedergangs befindet. Wir leben seit September 1970 in diesem Zustand des Niedergangs, der uns daran hindert, unsere militärischen Aktivitäten zu verstärken. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir unsere militärischen Aktivitäten einstellen werden. Das gilt für die Widerstandsbewegung im Allgemeinen. Was die Volksfront im Besonderen betrifft, so haben sich unsere militärischen Operationen im Gazastreifen, im Westjordanland und in Israel selbst in den letzten zwei Jahren intensiviert. Aber Israel versucht, diese Operationen zu verbergen. Aber wir bleiben aktiv. Wir haben auch Stützpunkte im Südlibanon und bereiten uns auf einen geheimen Volkskrieg gegen die Reaktionäre in Jordanien vor. Der Zustand des Verfalls, in dem wir leben, und die allgemeine repressive Atmosphäre, die von den arabischen Regierungen auferlegt wird, beeinflussen jedoch die öffentliche Meinung, und die Menschen denken, dass wir unsere militärischen Aktivitäten eingestellt haben. Diese Schlussfolgerung ist jedoch falsch.

Wie hat sich der Zustand der Dekadenz Ihrer Meinung nach auf das palästinensische Individuum ausgewirkt, ohne sich auf eine bestimmte politische Linie zu beziehen?

Politische Bewegungen sind wie menschliche Wesen. Wenn ein Mensch gesund, berühmt und reich ist, scharen sich seine Freunde um ihn und alle unterstützen ihn. Aber wenn er alt und krank wird und sein Geld verliert, zerstreuen sich die Freunde um ihn. Jetzt machen wir [als Widerstandsbewegung] diese Phase durch, sozusagen die Phase der Apathie. Der einzelne Palästinenser hat das Gefühl, dass die Träume, die er in den letzten Jahren aufgebaut hat, zunichte gemacht wurden. Das ist ein schmerzhaftes Gefühl, wissen Sie, und ich glaube, viele Genossen teilen meine Meinung: dass diese Phase vorübergehend ist. Wenn das palästinensische Individuum erkennt, dass wir gegen einen großen Feind kämpfen, den wir nicht in ein paar Jahren besiegen können, dass unser Krieg langfristig ist und dass wir immer wieder besiegt werden, dann wird die Loyalität des palästinensischen Individuums gegenüber der palästinensischen Revolution nicht mehr so zerbrechlich und emotional sein wie jetzt. Ich glaube, dass wir die Menge wieder mobilisieren können, wenn wir unseren ersten neuen Sieg erringen. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Sieg kommen wird. Wir haben keine Angst vor dieser „Flaute“, wie ich sie gerne nenne. Das ist normal, denn die arabischen Führer und die Sprecher der arabischen Medien haben den Massen viele Versprechungen gemacht und einen leicht zu erreichenden Sieg gepriesen. Nun haben viele Araber entdeckt, dass diese Versprechen irreführend waren. Daher glaube ich nicht, dass dieses Phänomen [d.h. die Apathie des palästinensischen Individuums] ein inhärentes und kontinuierliches Phänomen ist. Wir wissen, dass wir diese Phase in Zukunft überwinden werden und dass die Loyalität der Massen gegenüber der Revolution stärker sein wird als zuvor.

Waren Sie oder die Führung der Front in den Jahren 1967, 1968 oder 1969 zu optimistisch? Haben Sie zu viele Versprechungen gemacht? Haben Sie diesen Konflikt als einen leichten Kampf gesehen?

Nein. Tatsächlich warnte die Volksfront die Massen durch ihre schriftlichen Dokumente, dass das Problem nicht einfach sei. Sie warnte sie auch davor, dass sie immer wieder besiegt werden würden und dass es zu Blutbädern, vielen Tragödien und Massakern kommen würde. Wir haben es schon oft erwähnt, aber im Allgemeinen versprach die Führung der palästinensischen Revolution den Massen einen leichten Sieg. Was den Optimismus anbelangt, so sind wir sehr optimistisch, und ich kann sagen, dass unsere Situation heute, obwohl wir uns am Tiefpunkt unseres schwierigen Kampfes befinden, besser ist als 1967, 1968 oder 1969 ­ aus wissenschaftlicher Sicht und als Widerstandsbewegung, die ihre historische Bewegung bewertet und nicht durch ihre oberflächlichen Erscheinungen.

Revolutionäre Journalistin führt in deutschen Gefängnissen einen Hungerstreik durch!

Am 16. Mai 2022 wurde die revolutionäre Journalistin Özgül Emre von der deutschen Polizei in Mannheim verhaftet. Am nächsten Tag stürmte die Polizei das Haus von İhsan Cibelik, einem Mitglied der revolutionären Musikgruppe Grup Yorum. Er wurde gewaltsam festgenommen und schwer misshandelt. Beide wurden vor die jeweiligen Gerichte gebracht, die in Sekundenschnelle über ihren Fall entschieden. Özgül Emre wurde in die JVA Rohrbach und İhsan Cibelik in die JVA Köln-Ossendorf gebracht. Am 18. Mai 2022 wurde ein weiterer Antifaschist, Serkan Küpeli, in Hamburg verhaftet.

Der deutsche Staat führte diese Razzien, Festnahmen und Verhaftungen auf der Grundlage von Artikel 129-b des deutschen Gesetzes durch. Der Artikel 129-b ist speziell dafür gedacht, Revolutionäre aus der Türkei zu unterdrücken und sie als „Terroristen“ zu bezeichnen. Zuvor wurden in Stuttgart fünf Antifaschisten aus der Türkei zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie Konzerte der Grup Yorum organisiert, Zeitschriften verteilt, Picknicks veranstaltet und den Widerstand unterstützt hatten.

Der deutsche Staat versucht, Özgül Emre in der JVA Rohrbach eine Gefängnisuniform aufzuzwingen, wohl wissend, dass vier revolutionäre Gefangene in der Türkei 1984 während ihres Hungerstreiks gegen die Einführung einer Gefängnisuniform starben. Ihr Opfer hat dazu geführt, dass das Gesetz zurückgezogen wurde und bis heute können türkische Gefängnisse keine Gefängnisuniformen durchsetzen.

Özgül Emre steht in dieser kompromisslosen Tradition, die Identität, Integrität und Würde der revolutionären politischen Gefangenen zu bewahren. Seit ihrer Verhaftung vor 39 Tagen befindet sie sich in einem Hungerstreik. Ihre Forderung ist einfach: Zugang zu ihrer eigenen Kleidung.

Samidoun Netzwerk steht fest an der Seite von Özgül Emre, die seit 39 Tagen in der JVA – Rohrbach im Hungerstreik ist, um für ihre Grundbedürfnisse zu kämpfen und ihre und die Würde aller Menschen im deutschen repressiven und imperialen Gefängnissystem zu schützen.

Nachfolgend die von Anti-Imperialist Struggle Committee veröffentlichte Erklärung, in der die aktuelle Lage von Özgül Emre ausführlich erläutert wird:

Özgül Emre, eine Revolutionärin und Journalist aus der Türkei, befindet sich seit dem 17. Mai 2022 auf Antrag der deutschen Bundesanwaltschaft und auf Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) in Deutschland in Haft.

Özgül Emre wird von der Rohrbacher Gefängnisverwaltung willkürlich und rechtswidrig gezwungen, eine Einheitskleidung zu tragen und erhält keine eigene Kleidung.

Özgül Emre, die sich weigert, die willkürliche und rechtswidrige Verhängung einer Anstaltskleidung aus fadenscheinigen Gründen zu akzeptieren, befindet sich seit dem 16. Mai 2022, d.h. seit 39 Tagen, im Hungerstreik.

Nach Angaben ihrer Familie und des Anwalts, der sich mit ihr getroffen hat, hat sich der Gesundheitszustand von Özgül Emre so weit verschlechtert, dass ihr Leben in Gefahr ist. Özgül Emre hat von der JVA Rohrbach einen Monat lang keinen Zucker und kein Salz erhalten, die sie während des Hungerstreiks unbedingt verwenden muss.

Özgül Emre hat in den letzten Tagen ernsthafte Probleme mit der Flüssigkeitsaufnahme und gibt an, dass sie die Flüssigkeiten, die sie zu sich nimmt, erbricht und dass sie sowohl bei der Flüssigkeitsaufnahme als auch beim Erbrechen starke Schmerzen in der Leistengegend hat.

Da Özgül Emre derzeit nicht in der Lage ist, Flüssigkeit zu sich zu nehmen, kann sie auch keinen Zucker und kein Salz aufnehmen, so dass ihre körperliche Widerstandskraft rapide abnimmt. Mit anderen Worten: Özgül‘s Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert, weil sie keine Flüssigkeit und damit auch keinen Zucker und kein Salz mehr zu sich nehmen kann, und ist zu einer ernsten Gefahr für ihr Leben geworden.

Wir bekräftigen noch einmal:

Die Forderungen von Özgül Emre sind berechtigt und legitim Die Auferlegung von Anstaltskleidung, trotz Unschuldsvermutung ist unrechtmäßig und illegal und muss sofort gestoppt werden. Andernfalls sind die Rohrbacher Gefängnisverwaltung und das Bundesgericht für alle negativen Folgen und die Gefährdung des Lebens von Özgül Emre verantwortlich.

Die berechtigten und legitimen Forderungen von Özgül Emre müssen akzeptiert werden!

Schluss mit dem Zwang der Anstaltskleidung!

Marsch der Befreiung und Rückkehr – Brüssel Oktober 2022

Marsch der Befreiung und Rückkehr – Brüssel Oktober 2022

Gemeinsam auf dem Weg zur Rückkehr und zur Befreiung, sowie zum Sieg für Palästina!

Europäisches Parlament, Brüssel, Belgien

Ende Oktober 2022

Die Palästinensische Alternative Revolutionäre Pfad-Bewegung ruft die Massen unseres palästinensischen Volkes in Palästina und überall in der Diaspora und im Exil, die Massen unserer arabischen Nation und alle fortschrittlichen und demokratischen Kräfte in der Welt, insbesondere unsere Gemeinschaften in Europa, Nordamerika und anderswo, auf, sich uns bei der Organisation des internationalen palästinensischen Volksmarsches in Brüssel, Belgien, am Samstag, den 29. Oktober 2022 anzuschließen. Dieser Marsch wird durch die Straßen der Hauptstadt der Europäischen Union führen und mit einer historischen Kundgebung vor dem Europäischen Parlament enden, um die folgenden Punkte zu verbreiten und zu verkünden:

Erstens: Wir bekräftigen die Beharrlichkeit des palästinensisch-arabischen Volkes, seinen historischen Kampf, seine nationale Befreiungsbewegung und seinen tapferen und legitimen Widerstand mit allen möglichen Mitteln fortzusetzen, einschließlich seines natürlichen Rechts auf bewaffneten Widerstand, um sich zu verteidigen und seine nationalen Rechte und Bestrebungen in vollem Umfang zu verwirklichen. In erster Linie bedeutet dies das Recht der palästinensischen Flüchtlinge, in ihre Häuser, Land und Besitz zurückzukehren, aus denen sie vertrieben wurden, und das Recht und die Pflicht, das Land Palästina vom Fluss bis zum Meer zu befreien. Das Recht unser gestohlenes Land zurückzugewinnen, unsere historische Hauptstadt Jerusalem, Al-Quds Al-Sharif, wiederherzustellen und unser Recht auf Selbstbestimmung auf unserem nationalen Boden auszuüben.

Zweitens: Wir machen die europäischen Kolonialmächte, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten aus den zionistischen und reaktionären Kräften historisch, politisch, rechtlich und moralisch verantwortlich für das Verbrechen, das rassistisch zionistische Gebilde in Palästina errichtet zu haben und aufrecht zu erhalten, sowie für die Kriege und barbarischen Verbrechen, die in den Jahrzehnten der Unterdrückung seit der schicksalhaften „Balfour-Erklärung“ vom 2. November 1917 gegen die Völker unserer Region begangen wurden. Wir betonen auch die Verantwortung dieser Kollaborateure für die israelischen Verbrechen innerhalb und außerhalb des besetzten Palästinas seit 1948. Die Hände Großbritanniens, Amerikas, Frankreichs, Kanadas, Deutschlands, Australiens und zahlreicher anderer Länder und Imperien, die die zionistische Bewegung gegründet und genährt haben, sind mit dem Blut von Palästinensern, Arabern und allen Völkern der Region befleckt. Es ist an der Zeit, das Regime des Siedlerkolonialismus und der Apartheid in Palästina vom Fluss bis zum Meer zu zerschlagen.

Drittens: Wir bekräftigen unsere klare Unterstützung für den Kampf der in den zionistischen Kolonialgefängnissen inhaftierten Palästinenser und unsere volle Unterstützung für die palästinensische Gefangenenbewegung. Wir verpflichten uns, für die Befreiung der Gefangenen aus kolonialer Haft zu arbeiten. Wir von der Palästinensischen Alternativen Revolutionären Pfad-Bewegung betrachten die kämpfende Gefangenenbewegung als den festen Kern des palästinensischen Widerstands, als die Führung des Kampfes unseres Volkes in Palästina und als die vorderste Verteidigungslinie für die Rechte der Palästinenser. Wir fordern auch die sofortige und bedingungslose Freilassung des internationalistischen libanesischen Kämpfers Georges Ibrahim Abdallah aus den französischen Gefängnissen sowie die bedingungslose Freilassung der palästinensischen und arabischen Gefangenen in den Gefängnissen der Vereinigten Staaten von Amerika und den Gefängnissen der arabischen Regime.

Viertens: Wir erklären unsere klare und eindeutige Position gegen die korrupte so genannte „Palästinensische Autonomiebehörde“(PA), die einen Agenten des zionistischen Kolonialismus in Palästina darstellen. Wir stehen gegen die Politik der Unterdrückung und Ausgrenzung, die von den Sicherheitskräften der PA gegen unser Volk und die palästinensischen Widerstandskräfte im besetzten Westjordanland Palästinas durch die verräterische Politik der „Sicherheitskoordination“ betrieben wird. Wir bekräftigen auch unsere Verpflichtung zum Kampf, für die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen in den Gefängnissen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Unser Volksmarsch wird in einer bevorstehenden Pressekonferenz eine nationale und internationale Kampagne ankündigen, um der ungerechten Belagerung entgegenzutreten, die unserem Volk im tapferen Gazastreifen auferlegt wurde und die darauf abzielt, diesen wertvollen Teil Palästinas in das größte Freiluftgefängnis der Welt zu verwandeln.

Fünftens: Wir verkünden aus dem Herzen des Europäischen Parlaments die palästinensische, arabische und internationale Kampagne zum Ausschluss Israels aus den Vereinten Nationen und setzen uns für den Boykott und die Isolierung des zionistischen Kolonialismus und der ihn unterstützenden Unternehmen, Institutionen und Organisationen in Europa und der Welt ein. Die Palästinensische Alternative Revolutionäre Pfad-Bewegung ruft alle Organisationen und Bewegungen, die sich für den Aufbau der Boykottkampagne und die Solidarität mit Palästina einsetzen, dazu auf, sich diesem Ziel anzuschließen und sich für seine Umsetzung einzusetzen, d.h. für den Ausschluss des israelischen Regimes aus den Vereinten Nationen und die Wiederherstellung der internationalen Resolution 3379 der Generalversammlung der Vereinten Nationen, in der erklärt wird, dass der Zionismus eine Form von Rassismus und Rassendiskriminierung ist.

Sechstens: Wir erklären unsere Ablehnung gegen die repressive und rassistische Politik einiger Länder der Europäischen Union, die die politischen-, bürgerlichen- und Menschenrechte der Palästinenser in Europa unterdrücken, wie zuletzt die Anordnung der Polizei in der deutschen Hauptstadt Berlin, die Märsche und Veranstaltungen zum Gedenken an al-Nakba und die Forderung des Rechts auf Rückkehr zu verbieten. Wir verurteilen alle Versuche durch eine Politik der Kriminalisierung, den Kampf unseres Volkes und die Solidaritätsbewegung für Palästina der Unterstützer des palästinensischen Widerstands ins Visier zu nehmen. Wir rufen dazu auf, die so genannten „Terrorlisten“, die das Bild des gerechten und legitimen Kampfes des palästinensischen Volkes für die Befreiung seines Heimatlandes und die Wiederherstellung seiner Rechte verzerren sollen, in Frage zu stellen und zu beenden, und wir werden aus dem Herzen des Europäischen Parlaments heraus unsere Unterstützung für das Widerstandslager in Palästina, im Libanon und in der Region erklären.

Siebtens: Wir bekräftigen unsere Loyalität gegenüber den Märtyrern und Anführern der palästinensischen Freiheitsbewegung, die von den Besatzungstruppen in Europa und der Diaspora ermordet wurden. Diese Verbrechen verjähren nicht; wir werden nicht vergessen und wir werden nicht verzeihen. Die Namen und Fotos der Märtyrer werden den Marsch der Rückkehr und der Befreiung in Brüssel anführen, darunter die Symbole der Märtyrer Naim Khader, Abu Youssef Al-Najjar, Ghassan Kanafani, Majed Abu Sharar, Basil Al-Kubaisi, Kamal Adwan, Naji Al-Ali, Muhammad Boudia, Kamal Nasser, Mahmoud Al-Hamshari, Izz Al-Din Qalaq, Khaled Nazzal, Alex Odeh, Wael Zuaiter und weiter unzählige sowie unvergessene Märtyrer, die auf dem Weg des Kampfes für die Befreiung Palästinas in die Ewigkeit aufgestiegen sind.

Achtens: Wir bekräftigen, dass der gerechte Kampf Palästinas nicht das Anliegen der Palästinenser sowie Araber allein ist, sondern auch ein Anliegen aller freien Völker der Welt. Dieser Marsch der Rückkehr und Befreiung zielt darauf ab, die internationale Dimension des palästinensischen Kampfes und unseres alternativen revolutionären Pfads zu vertiefen und zu stärken. Palästina soll dadurch in den Vordergrund der Agenda der Befreiungsbewegungen und der revolutionären Kräfte des Wandels sowie der Frauen-, Studenten- und Gewerkschaftsbewegungen in Europa und der Welt rücken, die unseren Kampf für Gerechtigkeit in Palästina unterstützen und ihm zur Seite stehen.

Unsere Volksbewegung wurde Ende Oktober 2021 in Madrid, Beirut und Sao Paulo als palästinensisch-arabische und internationale Bewegung ins Leben gerufen, um der Agenda der Liquidation und der Kapitulation entgegenzutreten, den palästinensischen nationalen Kompass geradezurücken und die Energien und Ressourcen des palästinensischen Volkes in der Diaspora zu mobilisieren. Dieser internationale palästinensische Volksmarsch wird den Beginn unseres revolutionären Pfads bekräftigen, um all diese Ziele zu erreichen und einen Meilenstein des Kampfes in der Geschichte unseres palästinensischen Volkes zu markieren, in der Bestrebung für Rückkehr, Befreiung und den Sieg für Palästina.

Lasst uns zusammenkommen!

Für eine möglichst breite palästinensische, arabische und internationale Beteiligung am Marsch der Rückkehr und der Befreiung!

Lang lebe der Kampf unseres palästinensischen Volkes!

Lang lebe die internationale Solidarität mit Palästina und seinem Volk!

Wir werden zurückkehren und siegreich sein!

Palästinensische Alternative Revolutionäre Pfad -Bewegung (Masar Badil)

Juni 14, 2022

 

10.06.22, Berlin: Demonstration in Erinnerung an Al-Naksa und den ungebrochenen Kampf des palästinensischen Volkes gegen Kolonialismus und Imperialismus

Demonstration in Erinnerung an Al-Naksa und den ungebrochenen Kampf des palästinensischen Volkes gegen Kolonialismus und Imperialismus

am 10.06.22, 17 Uhr
Startpunkt: Rathaus Neukölln

Wir, ein Bündnis revolutionärer Gruppen aus Berlin, rufen am Freitag, dem 10.06.2022 um 17 Uhr am Rathaus Neukölln zu einer Demonstration in Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf auf.

Vor 55 Jahren, vom 05.06.1967 bis 10.06.1967, führte die zionistische Besatzung einen Angriffskrieg gegen das palästinensische Volk und die Völker der ganzen Region. Am Ende dieses expansionistischen Krieges hatte die israelische Armee ganz Palästina sowie die Golan-Höhen in Syrien und die Sinai-Halbinsel in Ägypten besetzt. Aus diesen Gebieten wurden zahlreiche Menschen vertrieben, genau wie bereits 1948 im Zuge der Nakba und der Gründung des zionistischen Staates mehr als 700.000 Palästinenser*innen vertrieben wurden. Der zionistische Krieg 1967, der als „6-Tage-Krieg“ in die Geschichte einging, wurde vor allem durch die massive Unterstützung durch die westlichen imperialistischen Mächte, einschließlich Westdeutschland, ermöglicht.

In Palästina wird der Krieg als „Al-Naksa“ erinnert, das heißt „der Rückschlag“. Doch am 10.06. wollen wir nicht nur an die zionistischen Verbrechen und die Rolle der imperialistischen Mächte in der Unterdrückung der Palästinenser*innen und vieler anderer Völker auf der Welt erinnern. Wir nutzen diesen Tag, um zu bekräftigen, dass das palästinensische Volk seit mehr als 100 Jahren trotz jeder Aggression und jeden Rückschlags Widerstand gegen Kolonialismus und Imperialismus leistet, bis zur Befreiung Palästinas, vom Fluss bis zum Meer.

Und wir nutzen den 10.06. um zu zeigen, dass wir fest an der Seite des palästinensischen Volks in seinem ungebrochenen Kampf für Freiheit und Rückkehr stehen. Die Verbote gegen palästinensische Demonstrationen in den letzten Wochen hier in Berlin konnten uns nicht aufhalten und wir werden auch am 10.06. erneut mit einer gemeinsamen Stimme zeigen, dass diese Politik der Unterdrückung und des Schweigens zum Scheitern verurteilt ist.

Der palästinensische Befreiungskampf lebt!
Die anti-imperialistische Bewegung in Deutschland lebt!
Der gemeinsame Kampf für Würde und Gerechtigkeit lebt!
Hoch die internationale Solidarität!

Samidoun begrüßt die japanische Revolutionärin Fusako Shigenobu nach ihrer Befreiung

Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network gratuliert der japanischen Internationalistin und Revolutionärin Fusako Shigenobu zum Tag ihrer Befreiung in Tokio, zusammen mit ihrer Tochter May und allen Genossen:innen und Freunden:innen, die dieser mutigen Freiheitskämpferin in den fast 22 Jahren in japanischen Gefängnissen beigestanden haben.

Wie Georges Abdallah in Frankreich ist und war Fusako Shigenobu eine internationalistische Kämpferin für die Befreiung Palästinas, zutiefst engagiert in der revolutionären Bewegung, die die Welt erfasste und ihren Ausdruck im direkten Engagement im antiimperialistischen Kampf fand, insbesondere im palästinensischen Kampf. Fusako ist Mitbegründer der revolutionären Organisation Japanische Rote Armee (JRA), die für eine revolutionäre Zukunft Japans kämpfte und Hand in Hand mit den palästinensischen Revolutionären der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) für ein befreites Palästina arbeitete.

Fusako Shigenobu arbeitete direkt mit Ghassan Kanafani zusammen, als sie im Büro für Öffentlichkeitsarbeit und internationale Beziehungen der PFLP tätig war, in dem die Zeitschrift Al Hadaf der Front herausgegeben wurde. Sie unterstützte die Produktion des Films „Red Army/PFLP Declaration of World War“ und schrieb zahlreiche Berichte und Aktionsaufrufe für japanische linke Rundschreiben und Zeitschriften, in denen sie zum Einsatz für Palästina aufrief.

Drei japanische Kämpfer für Palästina nahmen an einer Militäroperation auf dem Flughafen al-Lydd („Ben-Gurion-Flughafen“) teil und hatten vor, dabei ihr Leben zu opfern. Ein Kämpfer, Kozo Okamoto, wurde jedoch gefangen genommen und jahrzehntelang inhaftiert, bis er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit dem palästinensischen Widerstand freigelassen wurde.

Fusako war gezwungen, im Untergrund zu leben, wo sie ihre Tochter May Shigenobu zur Welt brachte und aufzog, während sie als Anführerin der japanischen Roten Armee diente. Während sich die JRA im bewaffneten Kampf engagierte, wurde sie schließlich zu einer Solidaritätsorganisation, die sich für die Befreiung Palästinas einsetzt. Fusako wurde im Jahr 2000 in Japan in Osaka verhaftet und nach Tokio gebracht; seither ist sie inhaftiert und schreibt Bücher und Gedichte. Sie hält weiterhin an ihren antiimperialistischen Prinzipien und ihrem Engagement für die palästinensische Befreiung fest.

Fusako Shigenobus Vermächtnis des internationalistischen Engagements und ihrer Aufopferung für die palästinensische Befreiung ist ein ehrenvolles, inspirierendes Leben des Kampfes, das uns alle an unsere Verantwortung erinnert, zu kämpfen, uns zu organisieren und dem Imperialismus zu widerstehen. An diesem Tag ihrer Befreiung grüßen wir sie und all jene, die an ihrer Seite gekämpft haben, und wir verpflichten uns, zu arbeiten, um den Tag der Befreiung aller Gefangenen der palästinensischen Sache und des antiimperialistischen Kampfes voranzutreiben, von den zionistischen Gefängnissen bis zu den imperialistischen Gefängnissen der USA und Frankreichs und darüber hinaus.

From the river to the sea, Palestine will be free!

Lest den Lebenslauf von Fusako Shigenobu, der von Fusakos Tochter May und anderen Genossen:innen verfasst wurde, und folgt dem Instagram-Account @freedomfighterfu und der Facebook-Seite von Fusako Shigenobu für weitere Informationen.

Fusako Shigenobu Bio/Geschichte

Fusako Shigenobu (1945- ) ist eine politische Gefangene, Dichterin, Schriftstellerin, Mutter und revolutionäre Kämpferin für die Befreiung Palästinas. Sie war 21,5 Jahre lang inhaftiert, nachdem sie ihr Leben dem Kampf gegen den globalen Imperialismus gewidmet hatte.

Ende der 1960er Jahre schloss sie sich der Studierendenbewegung an, während sie die Abendschule der Meiji-Universität in Tokio besuchte, und engagierte sich nach und nach für revolutionäre Politik. 1969 trat sie der Roten Armee Fraktion (RAF) bei. Die RAF war eine kommunistische Partei, die sich für eine Revolution gegen die imperialistischen Regierungen der USA und Japans einsetzte. Fusako wurde 1970 einer der führenden Personen und wurde mit dem Aufbau eines Büros für internationale Beziehungen beauftragt.

1971 verließ Fusako Japan unter anderem deshalb, weil sie mit Mori Tsuneo, dem neuen Anführer der RAF nach den Massenverhaftungen der Führungskräfte, nicht einverstanden war. Der Hauptgrund für ihr Verlassen Japans war jedoch, internationale Solidarität mit anderen Revolutionen und Kämpfen gegen den Imperialismus in der ganzen Welt zu suchen. Sie reiste in den Nahen Osten, nachdem sie vom palästinensischen Kampf gegen die zionistische Besatzung erfahren hatte.

Nach ihrer Ankunft im Libanon am 1. März 1971 begann Fusako ihre Arbeit bei der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), einer säkularen marxistisch-leninistischen Organisation, die von dem palästinensischen Arzt George Habash gegründet worden war. Fusako begann ihre Solidaritätsarbeit im Büro für Öffentlichkeitsarbeit der PFLP und im Zentrum für die Veröffentlichung von der Zeitschrift, Al Hadaf. In einer Zeit, in der der Zugang zu Medien und Informationen sehr begrenzt war, konzentrierte sie sich darauf, die Informationen, die sie über den palästinensischen Kampf und die Lage im Nahen Osten erhalten hatte, in Japan zu verbreiten, indem sie Berichte für japanische linke Zeitungen und Zeitschriften schrieb und mit verschiedenen Aktivisten:innen, Künstlern:innen, Ärzte:innen, Journalisten:innen und anderen Fachleuten korrespondierte, um sie zu ermutigen, als Freiwillige in die palästinensischen Lager zu kommen oder die japanische Öffentlichkeit zu informieren und Unterstützung zu schaffen.

Im Mai 1971 half sie Masao Adachi und Koji Wakamatsu dabei, die palästinensischen Freiheitskämpfer, die Fidayeen, kennenzulernen, und unterstützte sie bei den Dreharbeiten zu ihrem Film Red Army/PFLP Declaration of World War. Sie begleitete sie in das jordanische Palästinenserlager in den Jarash-Bergen, wo sie die ersten Aufnahmen von palästinensischen Kämpfern im Alltag der Fidayeen machten. Diese Fidayeen wurden nur zwei Tage nach ihrer Abreise massakriert.

Am 30. Mai 1972 meldeten sich drei Japaner freiwillig zur Teilnahme an einer Militäroperation auf dem Flughafen Lydd (Bei der Besatzung als Ben-Gurion-Flughafen bekannt), die auf Aharon Katzir, den führenden Wissenschaftler für biologische Waffen der zionistischen Besatzung, abzielte. Fünfundzwanzig Zivilisten wurden im Kreuzfeuer mit zionistischen Sicherheitskräften getötet. Die Besatzung verweigerte den Zugang zu einer internationalen Untersuchungskommission, die untersuchen sollte, wie so viele Zivilisten bei diesem Vorfall getötet wurden. Eine unabhängige Untersuchung hätte ergeben, wer für die Tötung von Zivilisten verantwortlich war.

Die drei japanischen Freiwilligen hatten geplant, ihr Leben während der Operation durch den Einsatz von Handgranaten zu opfern, doch einer der Teilnehmer, Kozo Okamoto, überlebte und wurde gefangen genommen. Bei den zionistischen Verhören stellte sich heraus, dass er Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) war.  Die drei Freiwilligen nannten sich selbst die Arabische Rote Armee, und dies wurde den zionistischen Medien zugespielt. Die zionistischen Medien nannten sie die Japanische Rote Armee, und so existierte der Name schon, bevor die Organisation 1974 gegründet wurde.

Aus Angst vor zionistischen Angriffen gegen Japaner, die mit der palästinensischen Befreiungsbewegung zusammenarbeiten, wurde Fusako in den Untergrund gezwungen. Obwohl Fusako nicht an der Operation beteiligt war, versuchte die zionistischen Besatzung, sie durch Bombenangriffe auf die Gebäude, in denen sie wohnte, zu ermorden.

Zu dieser Zeit wurde sie mit ihrer Tochter schwanger, die am 1. März 1973 geboren wurde. Fusako und ihre Tochter May lebten in den nächsten 28 Jahren im Untergrund. May wurde nach dem japanischen Wort für Revolution (Kaku-mei) mit dem Kanji-Zeichen für „Leben“ benannt(命).

Während sie im Untergrund blieben, beschlossen die japanischen Freiwilligen der PFLP 1974, eine politische Organisation zu gründen. Fusako wurde zum Anführer und Sprecher dieser internationalistischen linken revolutionären Organisation, die den Namen Japanische Rote Armee (und in der Anfangsphase Arabisch-Rote Armee) annahm. Sie führte mehrere Aktionen gegen kapitalistisch-imperialistische Einrichtungen wie den Shell-Konzern in Singapur (1974) durch und forderte die Freilassung politischer Gefangener durch die Besetzung der französischen Botschaft in Den Haag (1974) und des US-Konsulats in Kuala Lumpur (1975).

Nachdem die JRA 1974 unabhängig geworden war, bemühte sie sich, sicherzustellen, dass bei künftigen Einsätzen keine Zivilisten zu Schaden kommen würden. Nach einer Änderung der Politik wurden Ende der 1980er Jahre alle militärischen Operationen eingestellt. Die Gruppe beschloss, ihre Arbeit fortzusetzen, indem sie sich auf die Unterstützung an der Basis und die Solidarität mit dem palästinensischen Volk konzentrierte.

Fusako erklärt: „Der Grund, warum wir den bewaffneten Kampf im Stil der 1970er Jahre abbrachen, war, dass ich mit der Anerkennung der Palästinenser durch die UNO (und aufgrund der vielen Toten) den Gedanken hatte, in jedem Kampf das Leben zu schätzen.“

Während ihres Lebens im Untergrund und im Gefängnis verfasste Fusako 10 Bücher, darunter einen Gedichtband. In ihrem ersten Buch, My Love, My Revolution (1974), schrieb Fusako: „Ich möchte, dass die Menschen dazu erzogen werden, sich gegenseitig zu helfen, ohne Rücksicht auf Grenzen“.

Im November 2000 wurde Fusako in Osaka verhaftet und nach Tokio gebracht. Bei vielen Gelegenheiten hat Fusako öffentlich die Verantwortung für vergangene Aktionen der JRA übernommen und sich bei all jenen entschuldigt, die unnötigerweise geschädigt wurden. Am 14. April 2001 löste sie die Japanische Rote Armee auf und erklärte, sie werde die Arbeit in Japan mit legalen Mitteln fortsetzen. Die Regierung klagte sie in zwei Fällen der Passfälschung an und behauptete, dass sie an der Planung der Geiselnahme in der französischen Botschaft in Den Haag im Jahr 1974 „beteiligt“ gewesen sei (eine Aktion, die bekanntermaßen von dem PFLP-Mitglied Waddie Haddad geplant und von Carlos geleitet wurde und bei der ein Wachmann verletzt wurde). Die Staatsanwaltschaft legte keine konkreten Beweise für die Beteiligung von Fusako vor und stützte sich weitgehend auf erzwungene Geständnisse aus den 1970er Jahren, die von den Zeugen im Zeugenstand während des Prozesses widerrufen wurden. Ungeachtet dieser Widerrufe verurteilte der Richter sie 2005 zu 20 Jahren Haft wegen möglicher Verschwörung zum „versuchten Totschlag“.

Wie andere politische Gefangene wurde auch Fusako übermäßig bestraft, weil sie offen die Legitimität der japanischen Monarchie und der Regierung anzweifelt, die das imperiale System der Herrschaft und Diskriminierung aufrechterhalten. Aus dem Gefängnis heraus schrieb sie: „Japan ist keine göttliche Nation; wir sollten eine humane Nation werden“. (Dezember 2000)

Im Jahr 2008 wurde bei ihr Dickdarm- und Darmkrebs diagnostiziert und sie musste sich drei Operationen unterziehen. In einem Brief aus dem Hachioji medizinischen Gefängnis in Tokio aus dem Jahr 2017 schreibt Shigenobu:

„Wenn sich Atomkraftgegner und Kriegsgegner zusammentun, können sie die Zukunft verändern. Ich bin hoffnungsvoll… Man könnte sagen, dass die Welt reif für eine Revolution ist, in materieller Hinsicht. Solange die Menschheit weiterhin verleugnet wird, wird die globale humanistische Revolution sicherlich in einer zukünftigen Generation stattfinden.“