Brief der palästinensischen Gefangenen an Samah Idriss: Schlafe ruhig und wisse, dass der Pfad zur Freiheit für freie Menschen niemals abgeschnitten sein wird

Die folgende Botschaft wurde von palästinensischen politischen Gefangenen in zionistischen Besatzungsgefängnissen zum Tod von Samah Idriss, einem libanesischen arabischen revolutionären Intellektuellen, verfasst. Samah Idriss war Chefredakteur der Zeitschrift Al-Adab und Mitbegründer der Kampagne zum Boykott der Unterstützer „Israels“ im Libanon. In seiner Rede auf der Konferenz Masar Badil (Palästinensischer Alternativer Revolutionärer Pfad) in Beirut am 30. Oktober dieses Jahres erklärte er: „Wenn wir Palästina aufgeben, geben wir uns selbst auf.“

Wir veröffentlichen den kompletten Brief der palästinensischen Gefangenen:

Die Botschaft der Gefangenen zum Gedenken an Samah Idriss

Es ist ein ungewöhnlicher Morgen, an dem sich die Nachricht von Deinem Weggang in die Zartheit der Liebe und der Gefühle bohrt, der Morgen neigt sich zum Sonnenuntergang und Deine Seele setzt sich dort nieder, Samah. Wir bleiben in ihrer Schatten, während sie flattert und den Raum an diesem besonderen Morgen füllt. Die Nachricht von der Tragödie deines Abschieds ersetzt für den Moment unsere Gedanken an die Befreiung und an Freiheit. Deine Abwesenheit hält uns in der Zeit gefangen, wir schauen uns um und erinnern uns an dich. Wir brauchen immer noch Deine Worte und Deine engagierten, prinzipienfesten Positionen. Wir befinden uns immer noch mitten auf dem Weg zur Befreiung, Samah.

Die Nachricht deines Weggangs hat uns erreicht, während die Tautropfen von den Gefängniszäunen und -gittern abfallen. Mit ihr haben sich unsere Gefühle eingeschlichen, und wir haben die Wunde Deines Verlustes heftig gespürt. Wir wollen, dass du unseren letzten Schrei hörst. Du, der immer mit unserer Stimme und unseren Schreien gesprochen hat, oder vielleicht wollen wir uns mit einem flüsternden Schrei von dir verabschieden.

Unsere Worte werden dich sicherlich erreichen. Wir sind in den Gefängnissen der zionistischen Kolonisatoren, und wir wollten dich treffen. Du siehst, und das hast du uns gelehrt, dass der Weg noch lang ist und dass unsere Lampe noch viel Öl braucht, warum bist du dann jetzt weggegangen?

Samah, wir wissen, dass du den Berg nicht verlassen hast. Du bist wie ein Berg in deiner Haltung, und deine Schritte sind in den Weg dieser langen Reise eingraviert. Du bist unser geliebter Genosse, ein Gefährte auf dem harten Pfad des Kampfes, ein Freund auf dem langen Weg. Dein Körper hat uns verlassen, aber dein Geist wird uns eine Inspiration bleiben. Deine Worte und deine Positionen sind ein Leuchtturm, den wir auf unserem Weg erheben, debattieren und diskutieren. Wir werden weitergehen, Genosse, bis wir am Ziel sind.

Hinter Gittern, hinter Mauern, hinter Zäunen, in den Fängen der Zionisten, grüßen wir deine Familie, deine Lieben, deine Genossen:innen und deine Gefährten. Wir trauern um dich mit Stolz und Admiration und mit dem größten Einsatz für den Kampf. Wir trauern um dich als Schriftsteller, als Intellektuellen, als Genossen und als Kämpfer für die Freiheit, für die du gestorben bist. Schlafe ruhig und wisse, dass der Pfad zur Freiheit für freie Menschen niemals abgeschnitten sein wird.

Deine Genossen in den Besatzungsgefängnissen

26. November 2021